Ev.-luth. Auferstehungskirchengemeinde

Die Evangelisch-lutherische Auferstehungs-Kirchengemeinde Rotenburg (Wümme)

Gemeindezentrum Berliner Ring 19

Als drei Tage vor Heiligabend 1984 der Grundstein zu dem damals so genannten „Gemeindezentrum Hinter dem Loh“ gelegt wurde, da riss plötzlich die Sonne den grauen, regnerischen Dezemberhimmel auf. Ein freundliches Zeichen „von oben“ für die Hoffnungen vieler Menschen, die sie mit dem Bau dieses Hauses verbanden: Es sollte kirchliche Heimat bieten für die vielen Neubürger Rotenburgs, die in das Neubaugebiet im Nordosten der Stadt zogen.

Bis zur Grundsteinlegung war es ein langer Weg: Mitte der sechziger Jahre wurde die Gemarkung „Hinter dem Loh“ als Bebauungsgebiet ausgewiesen. Der damalige Superintendent Walter Haaren erwarb mitten in diesem Gebiet Land für den späteren Bau einer Kirche. Zunächst aber wurde 1973 für die vielen jungen Familien die Kindertagesstätte – heute „Kinderarche“ - gebaut und als erster Bauabschnitt eingeweiht.

Auferstehungskirchengemeinde

In den nächsten zwölf Jahren änderten sich die Pläne. Gemeinde und Kirchenvorstand wollten jetzt ein Gemeindezentrum, in dessen Mitte ein deutlich als solcher erkennbarer Kirch- oder Andachtsraum liegt, der nach beiden Seiten zu den anderen Gemeinderäumen erweitert werden konnte. Schon die Fassade des Gebäudes sollte die Menschen, die in diesem Stadtgebiet eine neues Zuhause suchten, einladen, hineinzugehen.

Die Aufgabe wurde von dem Architekten Heiko Vahjen aus Braunschweig mit viel Pfiff gelöst. Das streng symmetrisch konzipierte rechtwinklige Haus öffnet sich zur Kreuzung Berliner Ring, Dresdener und Potsdamer Straße. Der flachen Dachkonstruktion auf der Frontseite wird, verbunden durch ein Glasband, von der Rückseite ein höheres und steileres Dach entgegengesetzt. Der tragende mittlere Deckenbalken führt vom Eingang durchgehend zum Altar im Kirchraum. Die große Fensterfront an beiden Rückseiten bezieht die Außenwelt in alle Räume mit ein. Die Seitenwände rechts und links vom Kirchraum sind beweglich. So kann der kleine Gottesdienstraum, der nur etwa 50 Menschen Platz bietet, um die angrenzenden Räume erweitert werden. Durch die breiten Türen kann auch noch die Eingangshalle mit einbezogen werden. Die Klinkerwände, die dunklen Deckenbalken und die weiß getünchte Decke geben dem Gebäude schon beim Eintreten einen anheimelnden Charakter, der durch die freundliche Eingangshalle mit dem offenen Kaminraum noch betont wird.

Am 26. Januar 1986 wurde das Haus in einem festlichen Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben. Vor der Kirchenvorstandswahl 1988 wurde der damalige Pfarrbezirk III der Stadtkirchengemeinde Rotenburg auf Anraten von Superintendent Wilhelm Haltenhoff und durch einstimmigen Kirchenvorstandsbeschluss zum 1. Oktober 1987 eine selbständige Kirchengemeinde. Ihr Name: Evangelisch-lutherische Auferstehungs-Kirchengemeinde. Festlich begangen wurde die Gemeindegründung mit dem Erntedankgottesdienst am 4. Oktober 1987.

Wurde der kleine Glockenturm aus Holz noch auf Veranlassung und mit Mitteln des Kirchenkreises errichtet, so konnten die Glocken weitgehend durch die Spenden von Gemeindemitgliedern angeschafft werden. Sie wurden in der Glockengießerei Metz in Karlsruhe gegossen. Bevor die drei Glocken im Turm den Blicken entzogen wurden, wurden sie im Erntedankgottesdienst 1988 der Gemeinde vorgestellt. Auf jeder Glocke ist ein Bibelwort vermerkt, das in Verbindung mit dem Namen der Kirchengemeinde steht: Johannes 11,25.26; Philipper 4,4-7; Lukas 21,28. Am ersten Advent 1988 wurden sie durch Superintendent Gerhard Chrzanowski ihrer Bestimmung übergeben.

Im Jahr darauf wurde durch die Orgelbaufirma Werner Mann, früher Harsefeld, die Orgel aufgestellt. Sie hat ein Manual,, ein Pedal und fünf Register. Auch die Orgel wurde weitgehend aus Spenden finanziert. Am 12. November 1889 wurde sie eingeweiht.

In der Weihnachtszeit freut sich die Gemeinde immer wieder an den Krippefiguren aus Ton, die in einem Adventsprojekt von Gemeindegliedern zwischen 4 und 75 Jahren geformt wurden. Ebenso entstand das Keramik-Abendmahlsgeschirr mit Patene, Kelch, Gießkelch und Kanne sowie etwa hundert kleinen Einzelkelchen in einer Werkgruppe der Gemeinde.

Die drei Antependien (weiß, grün und violett), die in der Ratzeburger Paramentenwerkstatt entstanden, konnten durch freiwillige Gemeindebeiträge nach und nach erworben werden. In dem sonst ganz schlichten Gottesdienstraum bilden sie einen schönen Blickfang, an die die Gottesdienstgemeinde sich erfreuen kann.

In den Boden vor dem Türpfosten zum Gottesdienstraum ist genau über dem Grundstein eine Kupferkachel mit dem stilisierten Grundriss des Hauses eingelassen. Auf der Kachel ist zu lesen: „Ihr wisst ja, dass der Herr freundlich ist. Kommt zu ihm. Er ist der lebendige Stein. Lasst auch ihr euch als lebendige Steine einfügen in den Bau des Hauses, das der Geist Gottes baut.“ (1. Petrus 2,3.5) Dass auf der Kachel nicht die Jahreszahl der Einweihung des Hauses steht, 1986, sondern 1985, liegt daran, dass die Einweihung sich verzögerte.

In der Kirchengemeinde arbeiteten hauptberuflich Pastorin Barbara Roscher (1986-2003), Diakonin Heike Bade (1986-2003), Küsterin Eveline Koennecke (1986-2006), Pfarrsekretätin Gerda Bernoth (1986-2003), Pastor Dr. Hans-Christoph Meier (2000-2004) und mit einem Drittel seines Stellenumfanges Stadtjugenddiakon Werner Burfeind (2004-2012). Zur Zeit sind es Pastor Werner Hagedorn (seit 2004), Pfarrsekretärin Annette Wolf (seit 2003), Küsterin Jana Knabe (seit 2006) und mit einem Drittel ihres Stellumfanges Stadtjugenddiakonin Kathrin Frost (seit 2012).

Im Bereich der Auferstehungsgemeinde leben mehr sozial Benachteiligte als in den anderen Stadtgebieten. Einmal im Monat kommen die Kinder aus der benachbarten Kinderarche zu einem fröhlich-lebendigen Gottesdienst in den Andachtsraum. Es sind größtenteils Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Neben den Kinder-, Jugend-, Frauen- und Seniorengruppen, den Bibel-, Gesprächs- und Arbeitskreisen der Kirchengemeinde treffen sich in dem wohnlichen Gemeindezentrum von Anfang an auch Gastgruppen wie der Freundeskreis Suchthilfe e.V., die MS-Selbsthilfegruppe, eine ADHS-Gruppe, die Lebenshilfe Rotenburg. Besondere Projekte im Gemeindeleben waren die Arbeitsloseninitiative zu Beginn der Gemeindegründung, die dann mit Hilfe der kirchlichen Sozialarbeit in einen eigenen Verein überführt wurde, der heute allerdings nicht mehr besteht. Vom April 2010 bis September 2011 dauerte das Kirchenasyl, welches die Romafrauen Dulja Saiti und Selvije Ernst aus dem Kosovo vor der Abschiebung ins Elend nach Serbien bewahrte.

Heute muss die Kirchengemeinde sich dem kirchlichen Strukturwandel stellen. Mit dem Jahr 2013 wird die Pfarrstelle auf 75 Prozent reduziert werden. Seit August 2010 gehört die Gemeinde dem Kirchengemeindeverband Rotenburg an, gemeinsam mit der Michaelskirchengemeinde und der Stadtkirchengemeinde. Im Lauf der letzten Jahre verlagerte sich das Augenmerk von der je einzelnen Gemeinde auf das Zusammenwirken in der Stadt. Viele Aufgaben und Projekte werden jetzt von vornherein regional konzipiert. Die Kindertagesstätte „Kinderarche“ ist im Juli 2012 dem Kindertagesstättenverband beigetreten, dem nun vier weitere Kindertagesstätten im Kirchenkreis Rotenburg angehören und zwei im Kirchenkreis Verden. Die Diakoniesozialstation Rotenburg-Sottrum, deren Mitträgerin die Auferstehungs-Kirchengemeinde ist, kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten.

Die Rolle der ehrenamtlich beziehungsweise freiwillig Tätigen rückt stärker in den Blick. Das Team Ehrenamt, das sich regelmäßig in den Räumen des Auferstehungsgemeindezentrums trifft, arbeitet auf Ebene der Region. Der im März 2012 neugewählte Kirchenvorstand der Auferstehungsgemeinde wird erstmalig von zwei nichtordinierten Gemeindemitgliedern geleitet, Melanie Ludwig und Hartmut Ladwig. Kirche als Aufgabe und Anliegen vieler Menschen bleibt weiter lebendig.

Barbara Roscher / Werner Hagedorn

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