Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Name
Mo. 06.08.18
Sommer für die Seele
Hilke Bauermeister
Sommer für die Seele

Bis zum 8. August haben die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen noch frei. Ferienzeit ist Urlaubszeit. Fahren Sie weg im Urlaub oder bleiben Sie zu Hause?

Was bedeutet eigentlich das Wort Urlaub? Im Wörterbuch steht, „Urlaub“ kommt von „Erlaubnis“. „Urlaub“ ist die „Erlaubnis, von der Berufsarbeit fernzubleiben“. Urlaub ist die Erlaubnis zum Ausspannen. Wer Urlaub hat, der darf für eine Weile aus dem Alltag aussteigen. Egal, ob man wegfährt oder zu Hause bleibt: Man kann sich all’ jenem widmen, was im täglichen Trott meistens unterbleibt: gemütlich frühstücken, ein gutes Buch lesen, lange Spaziergänge machen und nachdenken über sich und Gott und die Welt. – Sommer für die Seele hieße für mich, sich auch Zeit und Raum dafür zu gönnen, dem eigenen Dasein nachzuspüren: Die freie Zeit dafür nutzen, den Spuren nachzugehen, die Gott in unserem Leben hinterlassen hat. Da mag es Schönes und auch Schweres geben. Traurige Tage sind einem womöglich stärker im Gedächtnis als die schönen. Wir neigen schnell zum Vergessen. Das Schwere lässt vergessen, was es schon alles an Schönem und Gelungenem gab im Leben. In der Bibel heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Manchmal muss man einen Augenblick innehalten, um sich an die schönen Stunden zu erinnern. Manchmal muss man einen Moment überlegen, bis es einem einfällt, wie viel Glück und Wohlergehen es für uns schon gab – trotz so mancher schweren Stunde. Dass Ihnen vieles einfällt, was Sie froh stimmt, und wofür Sie Gott danken mögen, wünsche ich Ihnen für Ihre Augenblicke des Innehaltens.

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Hilke Bauermeister

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
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Rotenburg
Mi. 01.08.18
Unsere Zukunft braucht Gott 4.0
KDA (Kirchlicher Die…
Unsere Zukunft braucht Gott 4.0

In einer christlich verstandenen Arbeitswelt ist der
Gottesbezug stets das Korrektiv für menschliche
Maßlosigkeit gewesen. Kann Gott auch in einer
digitalisierten Welt vorkommen? Intelligente Systeme
bestimmen schon heute weitgehend unser
Alltagsleben. Fabriken arbeiten zunehmend vollautomatisiert.
Roboter als Servicekräfte für Hotel
und Pflege sind kurz vor der Marktreife. Zugänge
zum Internet werden von Algorithmen gesteuert.
Wie jede Erneuerung ist dies alles Segen und Fluch
zugleich.

 

In unserer Tradition kennen wir seit 3000 Jahren die
Geschichte vom Sündenfall. Dort sagt die Schlange
zu Adam und Eva: Ihr werdet sein wie Gott und wissen,
was gut und böse ist. Der menschliche Impuls,
über sich hinauszugehen, ja sein zu wollen wie Gott,
wird immer ein Motiv von Erneuerung bleiben. Doch
zugleich warnt die Bibel, sein zu wollen wie Gott.
Dies führt oft in die Ungerechtigkeit und Ausbeutung.
Gibt es einen Gott 4.0 als Maß und Mitte?

 

Gott neu denken lassen
Ich schlage vor, Gott aktuell weiter zu denken. Es
reicht nicht mehr aus, ihn in menschliche Handlungen
zu verankern, er muss auch Eingang in digitale
Systeme und künstliche Intelligenz finden. Daher ist
sein Ansatz nicht mehr nur die Fehlerhaftigkeit von
Menschen und ihre Vergebung und Umkehr, sondern
auch die falsche Anwendung von selbstgesteuerten
Systemen und ihre Korrektur. Ein Gott 4.0 muss so
etwas wie ein algorithmischer Platzhalter gegen die
Zerstörung dieser Welt und die Vernichtung ihrer
Grundlagen werden. Letztendlich müssen unsere
Maschinen Gott mitdenken lassen.

Die Schlange hat heute eine Computerstimme, gut
und böse gehört in den Code der Robotersteuerung.
Nicht im Sinne eines Transhumanismus, der
Mensch wird nicht zur Maschine. Und auch kein
Posthumanismus, kein grenzenloses Optimieren des
Menschen. Eher wird es ein kritischer Posthumanismus
sein, der Menschen nicht überhöht und einen
Platz neben anderen Wirkmächten zuweist. Dazu
gehören die Natur, andere Lebewesen, und eben
auch selbstdenkende Maschinen.

 
Jesusgeschichten einpflegen
Für eine Zukunft dieser Erde braucht es dringender
denn je Gott als Platzhalter für Offenheit und Solidarität.
Suchen wir den Kontakt zu denen, die
Maschinen bauen und programmieren, damit sie
unsere handlungsleitenden Jesusgeschichten dort
einpflegen. Ja, mit ihnen reden in Gemeinde und auf
Pilgertouren, in Unternehmen und Klöstern, damit
sie selber das Potential von Freiheit und Verantwortung
einer christlichen Orientierung erfahren. Es
ist eine wichtige Aufgabe unserer Kirche und ihrer
Organisationen.

 
Die Geschichte von der Schlange schärft den Blick auf
Industrie 4.0, auf die Digitalisierung und künstliche
Intelligenz. Kein Fortschritt ist wirklich aufzuhalten,
aber jede Entwicklung bringt ganz neue Nebenwirkungen
mit sich. An dieser Schnittstelle gilt es, Gott
weiter zu denken und mit ihm die nächsten Schritte
mutig und vorsichtig zu gehen. Wir werden dann die
Erfahrung machen, dass er sie mit uns geht und Zukunft
ermöglicht. Unsere Zukunft braucht Gott 4.0.

 

 
WORTMELDUNG August 2018

Ralf Reuter, Pastor für Führungskräfte in der Wirtschaft, Spiritual Consulting
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
 

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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So. 08.07.18
Leg doch mal das Handy weg...
Harm Cordes
Leg doch mal das Handy weg...

Neulich in der Heide. Abendstimmung. Sonnenuntergang. Mir kommen zwei Reiter entgegen. Kann das Leben schöner sein? Denke ich, bis ich bei einem der Reiter eine typische Körperhaltung wahrnehme, die nicht zu meinem Bild vom Reiter auf dem Pferd passt: Kopf nach vorne geneigt. Richtung Handinnenfläche, die einen flachen Gegenstand hält.

Näher dran erkenne ich, dass wahr ist, was ich nicht glauben konnte: Der gute Mann ist mit Jeep und Pferdeanhänger aus dem Nachbarkreis in die Heide gefahren, um auf dem Pferd – mit seinem Handy rumzudaddeln. Geht`s noch?

Szenen, wie ich sie immer wieder beobachte: Eltern mit den Kindern auf dem Spielplatz. Die Kinder toben, lachen, rufen sogar: „Mama, guck mal …“. Doch die Eltern sind mit ihren Gedanken irgendwo in virtuellen Welten, anstatt wahrzunehmen, wie toll der Spielplatz ist: „Papa, jetzt guck doch endlich …!“

Bestes Bild zu diesem Thema: Ein kleiner Junge im Fernsehen. Er hat das große Glück, mit Papa bei einem Achtelfinal-Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft dabei zu sein. Doch was macht der Junge: spielt mit seinem Handy! Papa steht daneben und sagt nichts. Und ich frage mich: Wer hat das arme Kind ins Stadion geschleppt? Und wenn der Junge freiwillig da ist: Warum nimmt ihm keiner das Handy weg. Erklärt ihm, was auf dem Spielfeld los ist?

Ich weiß: das alles klingt weltfremd. Technikfeindlich. Typisch Pastor.

Aber so ist es nicht gemeint. Ich weiß durchaus, was ein Handy ist. Freue mich an vielen Errungenschaften unseres Zeitalters. Komme manchmal aus dem Staunen nicht raus. Und werde trotzdem traurig, wenn ich merke, wie Menschen in virtuellen Welten versacken und das Leben um sich aus dem Blick verlieren.

„Alles hat seine Zeit“ heißt es im Prediger Salomo. Und meint vielleicht auch dieses: Manchmal darf das Handy auch Pause haben. Um den Sonnenuntergang live zu bestaunen und dabei den Schritt des Pferdes zu spüren. Um mit dem Kind zu toben, zu lachen und zu raufen, anstatt Bilder davon zu verschicken. Einfach mitzujubeln und zu leiden, anstatt allen und jedem zu schreiben: „Bin gerade im Stadion. Echt cool hier …“

Jetzt, in der Urlaubszeit, wär das doch mal ein Gedanke. Immer mal wieder das Handy zu Hause zu lassen. Und einfach loszugehen. Ganz da zu sein, wo ich doch extra hingefahren bin. Mit denen, die gerade dabei sind, zu erleben, weshalb wir unterwegs sind. Darum geht es doch eigentlich. Oder etwa nicht?

 

DIESE ANDACHT STAND VORÜBERGEHEND UNTER FALSCHEM NAMEN AUF DIESER HOMEPAGE. WIR BITTEN DIESEN FEHLER ZU ENTSCHULDIGEN.

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Harm Cordes

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Harm
Cordes
Pastor, Vorsitzender des Kirchenvorstands
Bruchstraße 3
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 986860
So. 01.07.18
Sport ist gesund
Peter Handrich
Sport ist gesund

Die Weltmeisterschaft läuft. Nein, nicht die Go-Weltmeisterschaft oder die Weltmeisterschaft der Highland Games, sondern die Fußballweltmeisterschaft. Dem kann man ja nicht entgehen.

Schon Wochen vorher – besonders seit dem Ende der Bundesliga, dem Pokalfinale und dem Endpsiel der Champions-League – war von nichts anderem mehr die Rede. Wer fährt mit, wer darf nicht mit, wird Manuel Neuer fit sein? Und können „wir“ den Weltmeisterschaftstitel verteidigen, wenn wir schon gegen Österreich verlieren?

Ehrlich gesagt, das hat genervt. Außer Fußball gab es noch so viele andere sportliche Themen. In Kiel waren vor sechs Wochen die Special Olympics, und viele Sportlerinnen und Sportler aus Rotenburg haben viele Medaillen geholt. Ganz ohne Doping. Aus der Lebenshilfe und aus den Werken. Und der größte Spaß, haben mir gleich zwei Sportlerinnen versichert, war dabei die Sportlerdisco. OK, die Medaillen waren auch nicht schlecht, aber die Disco … Toll.

Für uns andere ist Sport manchmal gar nicht so spaßig, sondern eher mit Krieg zu vergleichen. Es muss gedopt werden, damit Höchstleistungen erzielt werden können. Und die Großen im Fußball dürfen auf keinen Fall gegen die Kleinen verlieren, sonst muss der Trainer weg. Und dass Deutschland in der Vorrunde ausscheiden könnte – undenkbar. Jedenfalls bis Mittwoch noch.

Dass jetzt im deutschen Team Köpfe rollen sollen, wie es am Donnerstag in fast allen Zeitungen zu lesen war, finde ich Quatsch. Das ist auch wieder so ein Kriegsgerassel. Man kann nicht zwei Weltmeisterschaften hintereinander so richtig gut sein, dass alles stimmt. Nicht, wenn man gerade schon mal Weltmeister war. Und ich finde: Das macht überhaupt nichts. Freuen wir uns, wenn diesmal Belgien Weltmeister wird. Oder Kroatien. Und Island dann 2022.

Dann würde es bestimmt eine großartige Fußball-Disco geben.

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
So. 01.07.18
Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße
Monatsspruch
Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!   Hos 10,12

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So. 01.07.18
Startup Kultur – eine Religion des 21.…
KDA (Kirchlicher Die…
Startup Kultur – eine Religion des 21. Jahrhunderts

Zu Beginn dieser Wortmeldung möchte ich Sie
auf eine Traumreise mitnehmen. Eine Reise, in der
farbenfrohe Helden, Einhörner und Engel gegen
einen grauen, mysteriösen Gegner kämpfen. Stellen
Sie sich den Gegner als einen sehr unbeweglichen,
vernebelten, alten Felsen vor, der sich von
Ungerechtigkeit, Leid und Inflexibilität ernährt. In
einer Höhle am Fuße des Felsens arbeitet ein Volk
an einem ausgeklügelten Plan, den uralten Felsen
zu vernichten. Das Volk besteht aus unzählig vielen
kleinen Figuren, in unterschiedlichsten Formen und
Farben. Sie wuseln und wirbeln. Und zwischen ihnen
galoppieren und fliegen die leuchtenden Helden,
Einhörner und Engel, die die Figuren delegieren.

Mythologie
Die Geschichte steht sinnbildlich für die Mythologie
heutiger Start-ups. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt
geht es im Kern darum, die Welt zu verändern,
zu verbessern. Um die Start-up Welt von der herkömmlichen
zu trennen spielt das „Wording“ eine
besonders wichtige Rolle. Wer ein Unternehmen
unterstützt ist ein „Business-Angel“, große Konkurrenten
werden als „800 Pound Gorilla“ bezeichnet
und Start-ups kurz vor dem Börsengang werden
„Unicorns“ genannt.
Um die Mythen des Kulturareals praktisch zu untermauern,
finden Sie in jedem gut geführten Start-up
einen Kickertisch, eine Schale mit frischem Obst
und kostenlose Getränke. Und in Stellenausschreibungen
wird mit flachen Hierarchien, Teamevents
und dem Standort Berlin-Mitte geworben. Es wird
eine scheinbar völlig neue Welt kreiert, in der alles
bunt, frisch und locker ist.

Wirklichkeit
Nun nehmen wir die „Helicopter view“ ein und
stellen der Mythologie die tatsächlichen Arbeitsbedingungen
gegenüber. Ein Grundproblem sind
oftmals prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Sie
sind befristet, versprechen eine schlechte Bezahlung
und begünstigen unbezahlte Überstunden.
Das meist knappe Budget der jungen Unternehmen
entschuldigt offensichtlich das Ersetzen fester
Mitarbeiter*innen durch unbezahlte Pflichtpraktikant*
innen. Ein ständiger Wechsel sowie die Befristung
der Mitarbeiter*innen vermitteln ein Gefühl
der Austauschbarkeit. Als Ausgleich dazu gibt es
aber mit Unterschrift des Arbeitsvertrages gleich
eine Reihe neuer Freunde dazu. Im Rahmen der
Start-up Mythologie findet eine bewusste Vermischung
von Privatem und Beruflichem statt.

Religion
Das alles wird für den Eintritt in eine junge, glitzernde,
coole Welt in Kauf genommen. Aber wie
funktioniert das? Menschen möchten im Leben
an etwas glauben, suchen nach Wegweisern und
möchten sich mit etwas schmücken. Früher bot dies
für viele Menschen die Kirche, die leistet es heute,
selbstkritisch betrachtet, für meine Generation kaum
noch. Warum eigentlich nicht?

 

 
WORTMELDUNG Juli 2018
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt - Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Laura Odile Rinderspacher, Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt
 

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

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So. 17.06.18
Grün
Hilke Bauermeister
Grün

Grün ist die Farbe der Natur und der Pflanzen. Im Internet kann man auch die Hinweise finden, Grün sei die Farbe der Frische und Natürlichkeit, und Grün sei die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht. In alter Zeit war Grün auch das Sinnbild beginnender Liebe. In unserer Sprache gibt es noch Hinweise auf diese Bedeutung von früher: „Jemandem die grüne Seite zeigen,“ bedeutet, dass man sich freundlich und entgegenkommend verhält. Aber wenn man „jemandem nicht grün ist,“ dann heißt das, dass man den anderen nicht mag.

Ob es in den Ländern der Bibel auch viel Grün gibt? An der östlichen Mittelmeerküste? So viel grüne Natur wie bei uns? In Nordeuropa gibt es viele Wälder, viel Grün auch in Gärten und Parkanlagen. In der Bibel steht jedenfalls eine Geschichte über hervorsprießendes Pflanzengrün: „Jesus sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, so dass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.“ (Markus 4, 30-32)

Jesus spricht vom Hervorsprießen einer Senfstaude. Das Senfkorn ist überaus klein – man braucht mehr als 700 Samenkörner, bevor man nur 1 g beisammen hat – und aus diesen kleinen Körnchen wachsen Stauden von bis zu 3 m Länge hervor. So, sagt Jesus, so ist es auch mit dem Reich Gottes: Es ist da, klein und unscheinbar, und mit der Zeit wird es größer, bis es einmal groß und erhaben sein wird. Kleine Ursache, große Wirkung. – Bei Gott sind alle Dinge möglich.

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Hilke Bauermeister

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Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
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Rotenburg
Fr. 08.06.18
App in die Zukunft – Den digitalen Wandel…
KDA (Kirchlicher Die…
App in die Zukunft – Den digitalen Wandel gestalten

Unsere Welt wird (immer) digitaler

Digitalisierung ist längst kein Thema mehr und auch
kein Trend. Sie ist allgegenwärtiger Teil unserer
Lebenswelt und dringt in immer weitere Bereiche
unseres Alltags vor, im öffentlichen Raum, im Beruf
und in die Privatsphäre. Mitarbeiter*innen des Kirchlichen
Dienstes in der Arbeitswelt haben dazu nun
ein Heft veröffentlicht: App in die Zukunft – Den
digitalen Wandel gestalten.

 
Den Wandel gestalten
Der Titel ist Programm. Wir sind der Meinung: Weder
Euphorie noch Apokalyptik helfen im Umgang
mit den Veränderungen, die sich durch die digitalen
Instrumente eröffnen. In meinem Beitrag zu dem
Heft habe ich geschrieben: Wandel braucht Zeit,
Solidarität und Hoffnung. Damit nehme ich einen
Dreiklang auf, der vor dreißig Jahren dem Strukturwandel
an Rhein und Ruhr Impulse gegeben hat.

 
Wandel braucht Zeit
Wahrscheinlich werden viele der heutigen Arbeitsplätze
verschwinden und neue entstehen. Vielleicht
werden auch diejenigen Recht behalten, die erwarten,
dass sich das letztendlich aufs Ganze gesehen
ausgleicht. Und ich höre immer wieder in Unternehmen
und Verbänden: So schnell wird das alles
nicht kommen und umgesetzt werden. Liegt dies
eventuell auch daran, dass wir im beginnenden dramatischen
Fachkräftemangel überhaupt nicht all die
Menschen haben, die benötigt werden, um die neue
Arbeitswelt zu besetzen? Wandel braucht Zeit –
allein um in Ruhe all die hiermit verbundenen
Fragen zu stellen und sich nicht mit vorschnellen
Antworten zu begnügen.

Wandel braucht Solidarität
Wandel braucht Solidarität, denn innerhalb mancher
Branchen wird es zu erheblichen Verwerfungen
kommen, wenn Märkte wegbrechen oder Tätigkeiten
durch Robotik oder Künstliche Intelligenz
übernommen werden. Natürlich benötigen Unternehmen
Gewinne für Investitionen in die Zukunft,
in technische Anlagen wie in die Weiterbildung ihrer
Mitarbeitenden. Aber es bedarf auch Investitionen
in den Menschen, die zu den Verlierer*innen der
Entwicklung zählen. Ressourcen müssen umverteilt
werden, wenn wir die Herausforderungen gemeinsam
bewältigen wollen.

 
Wandel braucht Hoffnung
Hoffnung gibt Zukunft. Selbstbestimmung in der
Arbeit ist ein Schlagwort, das aktuell Hoffnungen
weckt auf eine andere Arbeitskultur und partizipative
Führungskonzepte. Das ist gut und richtig, reicht
aber nicht aus. Es braucht Diskussion und Verständigung
auch über die Ziele von Arbeit und Wirtschaft
jenseits einer konsumorientierten Gesellschaft, die
wir uns eigentlich schon heute nicht mehr leisten
können und in den nächsten Jahren immer weniger.
Die biblischen Texte sind voller Hoffnung und sie
malen Bilder vom Reich Gottes, dass in der Zukunft
liegt, aber immer auch schon unter uns anbricht.
Es lohnt, diese sperrigen Bilder und Texte mitzubedenken,
weil wir uns so mit der Tradition verbinden
und zugleich über die „Hölle der Gegenwärtigkeit“
hinausgeführt werden.

 
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
WORTMELDUNG Juni 2018
Dr. Matthias Jung
Landessozialpfarrer und Leiter des Fachbereichs Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt
jung@kirchliche-dienste.de

 

Die Broschüre steht kostenlos zum Download bereit im HKD-Materialshop: www.hkd-material.de

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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30169
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Tel.: 
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So. 20.05.18
Da weht ein frischer Wind
Rolf Hirte
Da weht ein frischer Wind

Menschen gehen auf die Straßen, und sagen, was sie glauben, hoffen, sich wünschen. Sie verstecken sich nicht mehr ruhig in ihren Häusern, fragen sich nicht ängstlich, was werden denn wohl die Nachbarn sagen, wie reagieren die anderen darauf? Hat mein Engagement etwa Nachteile für mich?

Manche setzen sich vielleicht einfach mal eine Kippa (Kopfbedeckung jüdischer Männer) auf, um zu zeigen: “Wir wollen, dass Juden hier bei uns sicher leben können, ohne angefeindet zu werden.“ Vielleicht demonstrieren sie auch für bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, oder machen sich stark für eine gerechtere Wirtschaftsordnung, von der mehr Menschen profitieren als im Moment. Manchmal lassen Menschen sich begeistern. Dann sagen sie: “Da können wir etwas ändern.“ Dann gehen sie raus auf die Straßen und erzählen den anderen von ihren Hoffnungen und Träumen.

So ähnlich stelle ich mir das auch vor zu Pfingsten in Jerusalem vor etwa 2000 Jahren: Die nach der Kreuzigung Jesu verängstigten Jünger Jesu kommen aus ihren Verstecken und sprechen öffentlich über das, was sie glauben: Gottes Liebe ist stärker als alle Mächte des Chaos und der Zerstörung, ja sogar als der Tod. Das hat damals viele begeistert. Die ließen sich taufen und teilten alles, was sie hatten, damit keiner Not leiden mußte. Da wehte ein frischer Wind. Da bewegte Gottes Geist viele Menschen. Pfingsten hatte und hat es immer noch mit Begeisterung für Gottes neue Welt, mit Mut und Aufbruch zu tun.

Gesegnete Pfingsten

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Rolf Hirte

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Rolf
Hirte
Klilnikseelsorger am AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG
Elise-Averdieck-Straße 17
26365
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 77-36 63
So. 13.05.18
Gib den Kindern Flügel
Frank Hasselberg
Gib den Kindern Flügel

„Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß werden, Flügel“ – so lautet eine tibetische Weisheit. Zahlreiche junge Menschen feiern in diesen Wochen nach Ostern das Fest ihrer Konfirmation. Sie werden flügge. Sie sind auf dem Weg in ihr eigenes Leben, nabeln sich Stück für Stück von den Eltern ab.

Früher bedeutete die Konfirmation den Einstieg ins Berufs- und Erwachsenenleben. So radikal ist dieser Einschnitt heutzutage nicht mehr. Und doch: Es bleibt ein wichtiger Schritt im Leben der jungen Menschen und ihrer Familien. Die Eltern müssen allmählich lernen loszulassen, die Jugendlichen stehen immer mehr auf eigenen Füßen. Das ist schön, bringt aber auch viele Fragen mit sich: Soll ich weiter zur Schule gehen oder lieber eine Ausbildung machen? Gehe ich mit X oder mit Y? Wichtig ist, dass die jungen Menschen wissen, wo sie hingehören. Dass sie immer zu ihren Eltern und Paten kommen können. Und dass sie wissen: Gott geht meine Wege mit. Er hilft mir auf, wenn ich mal strauchle, und er verzeiht mir, wenn ich einen Fehler mache.

Ich hoffe immer, dass ich das in der Konfirmandenzeit vermitteln konnte. Wenn ich da an meine eigene Konfirmation denke, war Vieles nicht so schön. Vorher gab es eine Prüfung, was mussten wir nicht alles auswendig lernen: Luthers Katechismus mit Erklärungen rauf und runter, dazu gefühlt das halbe Gesangbuch. Alles war so ernst und steif. Natürlich müssen die Konfirmanden auch heute noch einige Kernstücke des Glaubens wissen, sie sollen den Gottesdienst und das Leben ihrer Kirchengemeinde kennenlernen. Vor allem aber sollen sie erfahren, was und wer dahintersteckt: Gott selber nämlich. Auf ihn sollen sie vertrauen, ihn Vater nennen, so wie Jesus es uns beigebracht hat. Das ist wichtiger als stures Auswendiglernen. Darum habe ich meinen Konfirmanden in diesem Jahr ein Psalmwort mitgegeben auf ihren weiteren Lebensweg: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ (Psalm 18, 30). Was braucht es mehr im Leben?!

 

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 4130
Fr. 04.05.18
Sehnsucht
Haike Gleede
Sehnsucht

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, dich zu sehn, dir nah zu sein...“

Dieses moderne Kirchenlied ist beliebt und wird in vielen Gottesdiensten gesungen. Der Text rührt etwas in mir an, eine verborgene Sehnsucht, die in mir schlummert. Wonach?

Vor wenigen Wochen haben wir Ostern gefeiert – das Befreiungsfest der Christen. Am ersten Ostermorgen machten sich die Frauen auf zum Grab Jesu. Sie suchten nach Antworten auf ihre Trauer.

Mit kostbaren Ölen wollten sie seinen Leichnam salben, ihm so noch einmal hautnah sein. Aber sein Grab war leer. Die Stimme des Engels zwang sie ihren Blick zu heben, sich aufzurichten, neu auszurichten. Er sprach: „Fürchtet euch nicht!“.  Sie flohen vor Angst zitternd von dem Grab.

Aber diese Sehnsucht blieb und rührte sich in ihren Herzen mehr denn je.

So wagten sie zu glauben, was sie gehört hatten. „Der Herr ist auferstanden!“

Was rührt Ostern in mir an? Mit dem Frühling erwacht die Sehnsucht nach Wärme, nach Aufatmen, nach neuem Leben. Aber das Leben richtete sich nicht nach den Jahreszeiten.

In den letzten Monaten rollte eine Sterbewelle durchs Land , und nicht enden wollende Grippewelle sitzt noch vielen in den Knochen.

Sehnsucht nach Heilung und  nach Trost ist vielerorts spürbar.

Wie können wir  unter solchen Bedingungen die Osterbotschaft wahrnehmen.

Wie können wir unseren Blick erheben, wenn wir erschöpft und niedergeschlagen sind? Wie dem „Fürchte dich nicht!“ vertrauen?

Es wohnt da diese Sehnsucht in mir – dass da einer ist, der die Angst und die Trauer sieht. Eine Sehnsucht nach etwas, das größer ist als alle menschlichen Grenzen. Was verlieren wir, wenn wir der Botschaft trauen? Nichts! Aber wir gewinnen alles! Darum gehe ich das Wagnis ein, glaube an den Auferstandenen und stimme ein in den Ruf, der nicht nur Ostern gilt:

„Der Herr ist auferstanden!“

 

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Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 15.04.18
Neulich am Lottotresen
Dietmar Meyer
Neulich am Lottotresen

Als ich neulich am Lottotresen darauf warte, dass ich drankomme, steht Jesus hinter mir in der Schlange. Man soll‘s nicht glauben, aber er sieht tatsächlich genauso aus wie man ihn sich vorstellt. Überrascht bin ich trotzdem. „Was machst du denn hier, Jesus?“ frage ich. „Hätte nicht gedacht, dich ausgerechnet hier am Lottotresen zu treffen.“ Passt mir jetzt gar nicht so gut, denke ich. Habe ja den Lottoschein in der Hand und komme jeden Augenblick dran. Und muss noch überlegen, ob ich die 7 oder wie immer die 11 ankreuzen soll. Und nun das. Das letzte Kreuz muss ich noch setzen. „Ich nehme die 12!“ sage ich leise zu mir selbst. „12 Jünger, 12 Stämme Israel, 12 als Zahl für Vollkommenheit“. Vielleicht ist das ja ein Zeichen. Vor mir tut sich nichts. Dauert noch, bis ich dran bin. „Du spielst Lotto, Jesus?“ Ich wundere mich. Er hat das Geld doch gar nicht nötig. Ob er mir seine Zahlen nennt? Er müsste ja wissen, welche fallen werden. Ich drehe mich ganz zu ihm: „Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass dich der Jackpott reizt“ Ich erinnere ihn an seine eigenen Worte. „Hast Du nicht gesagt, es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt?“ Jetzt bin ich gespannt, was er dazu sagt. Gar nichts. Er steht da. „Oder: Schafft Euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie fressen. Schafft Euch lieber Schätze im Himmel. Hm? Deine Worte!“ Jaja denke ich, sagen kann man also viel. Am Ende geht es doch ums Geld. Sogar bei Christus. Wie komme ich nur an seine Zahlen? „Das wär was: Den Jackpott knacken, oder Jesus? “ Christus kommt einen Schritt näher, und weist mit einer leichten Kopfbewegung nach vorne. Ah, die Schlange vor mir bewegt sich. Gleich bin ich dran. Dass Christus Lotto spielt, nee, ich werd verrückt! „Du weißt aber schon, dass die meisten Gewinner mit dem Geld unglücklich werden?!“ sage ich ihm über die Schulter. Dazu gibt es Studien. Außerdem stellt doch jeder, der auf den Gewinn hofft, sein bisheriges Leben in Frage. Überhaupt, du hast doch alles, was man braucht. Die ganze Welt gehört Dir doch. Sogar der Himmel.
Ich denke plötzlich an die Website, auf der kann man sehen, an welcher Stelle man weltweit mit seinem Einkommen rangiert (http://www.globalrichlist.com/). Mein Platz kann auf der Skala schon gar nicht mehr abgebildet werden, soweit oben rangiere ich. Sogar mit meinem BAFöG-Satz hätte ich damals schon unabbildbar vorne gestanden. „Wo würdest Du da erst stehen, Jesus?!“ Der braucht das doch wirklich nicht. Immer dasselbe, denke ich, je mehr man hat, umso mehr will man. Und wer nicht zufrieden ist, meint, er hätte nicht genug. „Was willst du denn mit dem Geld, Jesus? Noch mehr kaufen?! Noch mehr verbrauchen?! Glücklich werden?!“ Ich werde richtig ärgerlich. Hab ich mich so in Jesus getäuscht? Die anderen gucken schon. Ist mir egal. „Ich an Deiner Stelle würde das Geld lieber sinnvoller einsetzen“ brülle ich ihn an. „Und zufrieden sein!“ Dann ist er verschwunden. Und ich bin gleich an der Reihe.

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Dietmar Meyer

Dietmar
Meyer
Pastor
Kirchstraße 7
27367
Sottrum
Tel.: 
(04264) 422
So. 01.04.18
Normal ist das nicht
Dr. Matthias Wilke
Normal ist das nicht

„Ich hoffe bloß, dass bald Ostern ist!“ Meine Freundin ist genervt. „Gestern“, sagt sie, „Konferenz. Ich stell wie immer Schoki auf den Tisch. Da haut mich einer an, ob ich denn nicht wüsste, dass Fastenzeit ist. Ich so: ‚Zwing ich dich etwa, davon zu essen?‘“ Sie schnaubt: „Und dann haben sich alle gegenseitig erzählt, wie toll sie gerade fasten. Nicht zum Aushalten!“ Sie greift zu den Gummibärchen: „Es ist ja nicht nur die Fastenzeit. Es fängt im Januar an: Gute Vorsätze. Und in der Kantine mümmeln alle nur noch Salat. Im Februar jammern sie, dass sie nicht durchgehalten haben und warum sie schon seit zwei Wochen nicht mehr beim Sport waren. Und dann denkst du, du hast es hinter dir – und die Fastenzeit beginnt. Können die nicht einfach normal sein?“

Zuhause checke ich meine Mails. Wieder eine Nachricht mit Hinweisen für die Fastenzeit. Und ich komme ins Träumen. So wäre ich gerne. Ich will mich mutig für andere einsetzen, Strom sparen und auf Fleisch verzichten, will mehr an die Armen denken, die Frustschokolade drangeben oder am besten ganz auf Zucker pfeifen. Nicht normal sein, sondern gut. Wenigstens für sieben Wochen.

Neben dem Computer liegt ein Kreuz. Die Menschen um Jesus hatten ganz normal Sehnsucht nach einem, der ihnen hilft. Waren schrecklich normal mit ihrer feigen Sorge ums eigene Leben. Und ausgerechnet diese Menschen haben das erste Ostern erlebt. Dazu passt der Spruch für die nächste Woche (Römer 5,8): „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Und ich steh da mit meinem Frust und meiner Sehnsucht nach gutem Leben. „Danke, Gott, dass du es in all dem Murks Ostern werden lässt!“

 

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Dr. Matthias Wilke

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Pastor/-innen
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Fr. 30.03.18
Durch alles geht ein Riss…
Pastorin Sabine Krüg…
Durch alles geht ein Riss…

In einem Lied von Leonard Cohen heißt es: “There’s a crack in everything, and that’s how the light gets in.” Übersetzt heißt das: Durch alles geht ein Riss, und nur so fällt das Licht hinein. Dieser Text kommt mir in den Sinn, wenn ich über Ostern nachdenke. Immer wieder durchziehen Risse unser Leben. Oft entstehen sie durch Enttäuschungen oder durch Kummer. Wenn etwas kaputt gegangen ist in meinem Leben, oder wenn ich vor meinen eigenen Scherben stehe. Dann zerreißt etwas in mir. Es entsteht ein Riss in meinem Leben. Und das tut weh.

Dennoch gehören diese Risse zu unserem Leben dazu. Sie machen uns menschlich. In den Rissen unseres Lebens will Gott uns begegnen. Dort, wo wir eigentlich niemanden hineinlassen. Er will uns berühren, wo der Schmerz liegt. Durch unsere Zerrissenheit kommt sein Licht in unser Leben. In seinem Licht kann Verwandlung entstehen, so können wir wachsen und reifen.

Jesus stirbt an einem Kreuz. Der Vorhang im Tempel zerreißt. Ein Vorzeichen für den Riss, der die Welt verändern wird. Denn am Ostermorgen erhält der Tod einen Riss. Die Mauern der Endgültigkeit zerbrechen. Durch diesen Riss scheint nun das Licht der Auferstehung in die Kammer des Todes.

Wir feiern Ostern, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Seine Auferstehung gilt auch uns. Sie gilt uns nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern schon jetzt. Es gibt sie immer wieder, diese kleinen oder großen Augenblicke, in denen Gottes Welt schon in unsere Welt hineinbricht. Es sind Momente, in denen unsere kleine Welt aufreißt und ein Riss entsteht hin zur Ewigkeit Gottes – im Gebet, durch sein Wort, das uns im Herzen trifft, in der Stille, auf unseren ganz banalen Wegen durch den Alltag, wenn wir es nur zulassen.

Durch alles geht ein Riss – auch durch unsere kleine Welt hin zur Ewigkeit – und nur so fällt das Licht hinein.

 

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Pastorin Sabine Krüger

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So. 25.03.18
Grenzerfahrungen
Roger Moch
Grenzerfahrungen

Es gibt Augenblicke, in denen ist nichts so, wie es scheint. Ein lachendes Gesicht überdeckt tiefe Trauer, wer Härte zeigt, kann auch nachsichtig sein, und hinter düsteren Aussichten verbergen sich manchmal neue Wege. Grenzmomente sind unsicher und zweifelhaft. Der Palmsonntag steuert in eine solche Grenzzeit hinein. Gerade noch schwingen die Hände des Volkes Palmzweige beim Einzug Jesu nach Jerusalem, kurze Zeit später sind sie zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zu ohrenbetäubenden „Kreuzigt ihn“-Rufen, fröhliche Gesichter frieren zu Fratzen ein. Aber es ist gerade Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen Leben bringt.

Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht. Im Besiegten, im Verachteten war Gott ganz nah. Nur wenige erkannten das. Grenzerfahrungen können plötzlich und ungewollt über Menschen hereinbrechen. Bei Unfällen, Naturkatastrophen, plötzlichen Schicksalsschlägen wie dem Tod eines Angehörigen, in Nahtoderlebnissen. Und dazu gibt es die erdrückenden Grenzerfahrungen im alltäglichen, normalen Leben. Man fühlt sich an den Grenzen seiner Kraft, Beziehungen geraten in Sackgassen, Lebensziele lassen sich nicht verwirklichen. Das Leben wird enger. Die Luft wird dünner. Der Tod, der jedes Leben begrenzt, rückt näher.

Grenzerfahrungen sind Erfahrungen mit Angst, Verzweiflung, Hass. Aber auch mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Das Erleben von Grenzen und das Überschreiten von Grenzen gehört zu jedem Leben.
 Das Leben beginnt mit der Grenzerfahrung der Geburt und es endet mit der Grenzerfahrung Tod. Beide Ereignisse haben etwas Mächtiges und Extremes in sich. Und sind eben begleitet von Ängsten. Dagegen ist der Lebenstrieb darauf ausgerichtet, sich zu entfalten und lebenshemmende Grenzen zu überwinden. Ohne diesen Antrieb, der in jedem Leben steckt, gäbe es keine körperliche und seelische Entwicklung. Und das Heranwachsen eines Menschen ist eine Folge von Grenzerweiterungen.

Die Bibel erzählt, dass es diese Kraft in allen Lebensbereichen gibt und Jesus uns mit seinem Tod am Kreuz nicht allein gelassen hat. Darauf kann 
ich mich verlassen.

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Roger Moch

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Roger
Moch
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Do. 01.03.18
CARE üben – Ur-Verbundenheit stärken
KDA (Kirchlicher Die…
CARE üben – Ur-Verbundenheit stärken

CARE üben – Ur-Verbundenheit stärken

Wechselseitige Sorge
In der Care-Ethik wird das Netzwerk von Beziehungen
besonders betont. Tätigkeiten wie für jemanden sorgen, erziehen,
pflegen und die innere Haltung von sich zuwenden,
mitfühlen und Verantwortung für andere übernehmen sind
unentbehrliche Güter für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Es ist unstrittig, dass menschliche Gemeinschaften
ohne CARE (wechselseitige Sorge) nicht funktionieren. Das
Ur-Band der Verbundenheit miteinander erfordert diese
Sorge umeinander, damit es nicht zerreißt.

Staatliche Fakten
In Deutschland haben zwei Drittel der über 2,9 Millionen
Pflegebedürftigen das große Glück, von einem nahen Angehörigen
zu Hause in gewohnter Umgebung versorgt zu
werden. Pflegende Frauen und (einige) Männer steigen aus
dem Beruf aus oder verkürzen ihre Arbeitszeit und sind eine
unverzichtbare Stütze unserer Gesellschaft, unseres Staats.
Genau einen Rentenpunkt bekommen Arbeitnehmer*innen,
wenn sie ein Jahr zum durchschnittlichen Bruttogehalt sozialversicherungspflichtig
beschäftigt sind. Pflegen sie stattdessen
einen Angehörigen, müssen sie sich in der Regel mit
einem Bruchteil davon zufriedengeben. Sind die pflegenden
Frauen und Männer bereits selbst in Rente, bekommen sie gar
nichts dafür, dass sie ihr persönliches Leben für den Erhalt der
Ur-Verbundenheit und damit für den Zusammenhalt unserer
Gesellschaft reduzieren, in Extremfällen gar aufgeben, auf
jeden Fall auf vieles verzichten.

Ungerechtigkeit
Meist sind es Frauen, die sich um die Pflegebedürftigen
kümmern: Viele hunderttausend Ehefrauen, Töchter, Schwiegertöchter
und Enkelinnen jeglicher Altersgruppen. Die
Zuweisung der Care-Tätigkeiten an Frauen als ihre scheinbar
natürliche Aufgabe hat sich historisch bedingt offenbar bis
heute gehalten. Das ist eine Abwertung und verstärkt die
Ungerechtigkeit. Unser Staat will zwar nicht auf die Unterstützung
der Pflegenden verzichten, erkennt diese aber viel
zu wenig an. Zu oft rutschen gerade diese Frauen durch
langjährige Pflege – ob für Kinder oder später die Eltern – in
die Altersarmut. Sie haben sich ihrer Möglichkeit, genügend
Rentenpunkte fürs eigene Auskommen zu sammeln, jahrelang
beschnitten und werden im Nachhinein von unserem
Staat dafür allein gelassen. Die geringe Wertschätzung der
Pflege zeigt sich zugleich in der niedrigen Bezahlung der
– ebenfalls überwiegend – Frauen in den Pflegeberufen.
Auch sie müssen fürchten, trotz ihrer Berufstätigkeit später
mit ihrer Rente nicht auskommen zu können. Wo ist da
Verbundenheit?

CARE üben
Im 2. Timotheus 1,7 lese ich:
Der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft,
sondern erfüllt uns mit Kraft und Besonnenheit.
Wir befinden uns gerade mitten in der Fastenzeit. Wir üben,
frei zu sein von Bedürfnissen, die uns nicht gut tun. Gleichzeitig
schafft mir das Raum, mich von dem Geist der Kraft
und Besonnenheit erfüllen zu lassen und dies zu nutzen, um
mich anderen zuzuwenden, mitzufühlen und verantwortlich
zu sein. CARE zu üben und Ur-Verbundenheit zu stärken also.
Wie wenig dies in der Gesellschaft anerkannt ist, zeigt der
unglaublich bittere Beitrag von Monja Eszehah auf Twitter:
„Notaufnahme: Der alte Mann kam zum Sterben.
Ich setzte mich dazu. Meine Kollegin: Was machst Du denn
da? Ich: Sterben! Sie: Weißt Du, wie unkollegial das ist?
Komm raus und ARBEITE!“
Wie sollen da 8.000 zusätzliche Stellen in der Pflege ausreichen?
Auch hier gilt es CARE zu üben.

 

 
WORTMELDUNG März 2018
Andrea Plotzki (Fachbereichsassistentin im Fachbereich Kirche. Wirtschaft. Arbeitswelt im Haus kirchlicher Dienste)

 

Veröffentlicht durch:

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 

 

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30169
Hannover
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So. 18.02.18
Zeit zum Leben
Frank Hasselberg
Zeit zum Leben

Kaum hat ein neues Jahr begonnen, da geht es auch schon wieder zu Ende – zumindest in Gedanken. Der zweite Monat ist fast rum, und ich sehe, wie sich mein Terminkalender für 2018 längst wieder füllt. Geburtstage, Konfirmation, Urlaub, Weihnachten – alles verplant. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit unter den Händen zerrinnt. Wenn ich mich umhöre, geht es vielen Menschen ähnlich. Muss das so sein? Woher kommt der Eindruck, dass die Zeit immer schneller vergeht?

Ein Europäer wollte einmal von einem chinesischen Weisen wissen, welches der wesentliche Unterschied sei zwischen einem westlichen und einem östlichen Menschen. Der Chinese antwortete: „Ihr Abendländer lasst euch ständig hetzen und nehmt euch keine Zeit zu leben. Wenn du am Morgen aufwachst, planst du schon. Wenn du frühstückst, liest du nebenbei die Zeitung. Während du zur Arbeit fährst, bist du in Gedanken schon dort. Und so manches kannst du kaum erwarten. Am Morgen freust du dich auf den Feierabend, am Abend wartest du auf den folgenden Tag, zu Beginn der Woche sehnst du dich nach dem Wochenende, und am Sonntag gönnst du dir auch keine Ruhe.“

„Und wie machst du es?“ fragte der Europäer den Weisen. „Ganz einfach: Wenn ich aufwache am Morgen, bin ich dankbar, dass mir ein neuer Tag geschenkt ist. Wenn ich mich an den Tisch setze, genieße ich den Geschmack der Speisen. Wenn ich mich auf den Weg mache, betrachte ich neugierig, was mir begegnet. Ich lebe in der Gegenwart, ohne mich allzu sehr darum zu sorgen, was gestern war und was morgen sein wird. Dies ist das Geheimnis der Ruhe und inneren Gelassenheit.“

Vielleicht ein guter Vorsatz für das noch recht neue Jahr: Ich will – bei aller notwendigen Planung – die Zeit mehr genießen, bewusster erleben, sie wieder als Geschenk begreifen. Kein Biergarten am Karfreitag, kein Spekulatius im August, kein Stress am Sonntag, sondern alles zu seiner Zeit. Machen Sie mit? Einen Versuch ist es wert!

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Frank Hasselberg

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Frank
Hasselberg
Pastor, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis
Schneverdinger Straße 14
29640
Schneverdingen
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(05193) 4130
Mo. 12.02.18
Wochenspruch aus dem Lukasevangelium (Lk 18…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus dem Lukasevangelium (Lk 18, 31)

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Luther 2017)

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und alles, was in den prophetischen Schriften geschrieben steht über den kommenden Menschen, wird sich erfüllen! (Bibel in gerechter Sprache, 4.Auflage)

So. 07.01.18
Wochenspruch aus dem ersten Brief des…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus dem ersten Brief des Johannes (1Joh 2,8b)

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (Luther 2017)

Denn die Dunkelheit vergeht und das wahre Licht scheint schon. (Bibel in gerechter Sprache, 4.Auflage)

Mo. 01.01.18
Neujahrspredigt von Landesbischof Dr.…
Stadtkirchengemeinde…
Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

 

Liebe Gemeinde,

wie kostbar Wasser ist, merken wir manchmal erst, wenn es uns fehlt. Ich selbst erinnere mich an eine Bergtour im Sommer, bei der ich den Wasserbedarf in der Sommerhitze völlig unterschätzt habe. Nach vier Stunden Aufstieg war mein Wasservorrat schon fast aufgebraucht. Und beim Abstieg wurde der Durst immer größer, jeden Schluck habe ich bewusst genommen. Und irgendwann genau eingeteilt, um es bis unten zu schaffen. Wenn ich nicht Begleiter gehabt hätte, die mit mir geteilt hätten, wäre ich wahrscheinlich nicht gesund angekommen.

Diese Erfahrung hat sich mir eingeprägt. Immer wieder, wenn ich Wasser trinke, denke ich daran und danke Gott dafür, dass er uns das Wasser schenkt. Und ich verstehe, welch ungeheure Zusage in dem Satz steckt, den wir als Jahreslosung mit in dieses neue Jahr nehmen dürfen: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Denn schon unser körperliches Durstgefühl ist ja etwas ganz Grundlegendes. Erst recht das, was die Jahreslosung anspricht. Hier geht es um unseren Lebensdurst. Hier geht es um unsere ganze Existenz. Hier geht es um die Lebensquellen, die uns vor dem inneren Austrocknen bewahren.

Trinkwasser haben wir in unserem Land genug. Aber Quellen für die Seele fehlen uns. Woraus nähren wir uns? Das ist die vielleicht wichtigste Frage, wenn wir an diesem Tag in das neue Jahr 2018 gehen. Wir haben einige nachdenkliche Stimmen dazu gehört. Wir haben von dem Geschäftsmann gehört, der erst bei Sterben im Hospiz merkt, was er im Leben verpasst hat. Es ging immer nur um das Geschäft. Noch eine Filiale und noch mehr Arbeit. Ich habe - so stellt er dann traurig fest – „meine Kinder kaum gesehen und bin meiner Familie kaum begegnet.“

Wir haben von der Frau gehört, die sagt: ich will da nicht mehr mitmachen, beim Immer höher, immer schneller, immer weiter! Beim Immer-besser-werden-Müssen! Und wir haben von dem Clown gehört, der die Sehnsucht nach Leben überhaupt erst zu wecken versucht.

Aus welchen Quellen leben wir? Und welche Quelle kann unsere Sehnsucht wirklich stillen? Vielen Menschen geht es so, dass sie spüren: mit einem Leben, in dem der materielle und der berufliche Erfolg an erster Stelle stehen, verpassen wir das Eigentliche. Die Gesundheitsforscher sagen es schon lange: Ab einem bestimmten materiellen Niveau steigt die Lebenszufriedenheit nicht weiter an, wenn wir noch mehr haben. Die Zufriedenheit von Gesellschaften wird größer, wenn alle Menschen etwas vom Wohlstand haben. Auch die Reichen – so das erstaunliche Ergebnis der Forscher – sind dann zufriedener. Und die Glücksforscher sagen: Achten Sie auf Ihre sozialen Beziehungen! Kein schickes Auto und keine neue Couch kann die Liebe zwischen Menschen und die Gemeinschaft, die sie trägt, ersetzen!

Wir wissen das. Aber warum vergessen wir das so leicht? Weil die Erkenntnisse der Forscher und auch die entsprechenden Alltagserfahrungen vielleicht unseren Kopf, nicht aber die Seele erreichen. Deswegen ist der Satz der Jahreslosung so wichtig: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Es ist ein Satz, der nicht nur an der Oberfläche zu uns spricht. Es ist ein Satz, der unsere Sehnsucht aufnimmt. Es ist ein Satz, der die Seele erreicht. Echte Lebensquellen basieren nicht auf guten Ratschlägen oder auf ausgeklügelten Strategien zum positiven Denken. Echte Lebensquellen kommen von dem, der uns alle geschaffen hat, der die ganze Welt geschaffen hat, der dich und mich mit seiner Liebe anstrahlt, so dass wir diese Liebe in uns aufnehmen und irgendwann selber ausstrahlen.

Alles, was wir tun müssen, ist, uns dafür zu öffnen, auf die kraftvollen Worte Gottes zu hören, sie in uns aufzunehmen, darüber nachzudenken, ihnen nachzuspüren, im stillen Gebet oder der Meditation, uns selbst leer zu machen und die göttliche Energie in uns aufzunehmen, gemeinsam mit anderen zu singen und uns von der Musik das Herz öffnen zu lassen für das, was Gott uns sagen will. Manche nennen das „Spiritualität“. Ich mag auch das alte Wort „Frömmigkeit“. Ich verbinde damit nicht Bigotterie, religiösen Zwang oder Heuchelei, sondern eine religiöse Praxis, die zu so etwas wie einer Schule der Freiheit werden kann, einem Weg zu den Quellen des Lebens, der Tür zu einem Leben mit Gott, das wahr macht, was die Jahreslosung uns verspricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Eine Neuentdeckung der Frömmigkeit öffnet uns den Blick auf die Fülle des Lebens. Das ist vielleicht das Wichtigste im Deutschland des Jahres 2018, einem reich gesegneten Land, in dem dennoch Knappheitsgefühle und Verlustangst überhand zu nehmen drohen.

Dass wir herausfinden aus dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Und dass wir entdecken, aus welcher Fülle wir leben dürfen. Und die Fülle spüren, aus der wir leben dürfen.

An vielen Stellen spricht die Bibel von dieser Fülle: „Denn es hat Gott gefallen“, heißt es im Kolosserbrief (Kol 1,19), „alle Fülle in Jesus wohnen zu lassen.“ Johannes sagt: „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade“ (Joh 1,16). Und Paulus spricht davon, wie die Erfahrung der Fülle uns offen macht für die Liebe zum Nächsten: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (…): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«“ (2. Kor 9,8f).

Manchmal sind es aber auch nicht Bibelworte, sondern Erfahrungen mit Menschen, die uns einen neuen Blick auf die Fülle und das Glück des Lebens gewähren..
Ich habe in den Tagen vor Weihnachten eine solche Erfahrung gemacht. Ich habe einen Menschen näher kennengelernt, der im Münchner Hauptbahnhof Straßenzeitungen verkauft. Sein Leben weist viele Brüche auf. Seinen ganzen Besitz hat er in ein paar Plastiktüten neben sich stehen. Die Nacht verbringt er jetzt im Winter an Orten im Bahnhof, wo es eine Wärmequelle gibt – oder in der Nachtlinie der Tram, die so lange fährt, dass ihn über Stunden niemand zwischendrin weckt. Er hat eine Monatskarte. Und als ich ihn frage: Können Sie so genügend schlafen?, antwortet er mir, fast überrascht über diese Frage: „Ja, klar! Ich komme zurecht!“ Er ist fest angestellt bei der Straßenzeitung und ist zufrieden. Er hat mir übrigens auch von Dresden erzählt, wo er geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Ich habe in dem ganzen Gespräch keine Klage gehört. Für mich war dieses Gespräch eine Schule der Demut.

Es gibt wahrhaft keinen Grund, Armut zu romantisieren, schon gar nicht, wenn man selbst dankbar für alle materielle Sorgenfreiheit ist. Aber nach der Begegnung mit diesem Mann am Münchner Hauptbahnhof habe ich immer wieder einmal darüber nachgedacht, wofür ich dankbar bin und was ich wirklich brauche, um zufrieden zu sein.

Der Satz von Dietrich Bonhoeffer, den wir vorhin gehört haben, hilft mir: „Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“. Der Satz stammt aus einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge vom 19. März 1944 aus dem Gefängnis. Immer wieder beeindruckt mich Bonhoeffers tiefe Frömmigkeit und sein mutiges Zeugnis im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Und ich glaube, dass es uns auch in unseren manchmal viel weniger dramatisch scheinenden Alltagsfragen helfen kann. In unseren Sehnsüchten und Wünschen immer wieder von neuem den Kontakt mit Gott zu suchen, all das, was uns bewegt, in Gottes Hand zu legen, zu spüren, dass Gott mit uns geht in den guten und in den schweren Zeiten, Frieden zu finden mit Gott und mit uns selbst, das ist erfülltes Leben.

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst – sagt Gott. Und weist uns damit den Weg zu einem Leben mit den anderen, in dem niemand mehr zu kurz kommt, in dem wir, weil wir Zugang zum lebendigen Wasser finden, selbst zur Wasserquelle werden. „Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst“, sagt der Prophet Jesaja (Jes 58, 9-11), „und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“

Das, liebe Gemeinde, ist die Vision, mit der wir in das Jahr 2018 gehen dürfen. Es wird Deutschland gut tun. Es wird der Welt gut tun. Es wird uns allen gut tun.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

 

Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

1. Januar 2018 "Lebendiges Wasser"

Ev.-Luth. Frauenkirche Dresden

Quelle: https://rundfunk.evangelisch.de/kirche-im-tv/zdf-gottesdienst/lebendiges...

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