Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mi. 16.12.15
Bei uns zu Hause gehört die Krippe zur…
Ralf Meister
Bei uns zu Hause gehört die Krippe zur weihnachtlichen Grundausstattung

Bei uns zu Hause gehört die Krippe mit der Heiligen Familie zur weihnachtlichen
Grundausstattung. Die größte Krippe steht im Zimmer meines Sohnes auf der
Fensterbank. In groben Zügen geschnitzt, das Jesus-Kind in schlichtem Futtertrog,
Maria kniet und Joseph mit träumend-fernem Blick daneben. Die Tiere drum
herum, Esel, Ochse und Schafe, dazwischen Hirte und Hund. Die drei Weisen aus
dem Morgenland sind am Rand postiert.

 
Wenn wir die Heilige Familie genauer anschauen und heute Abend wieder die
biblische Erzählung von Maria, Josef und dem neugeborenen Kind in der Krippe
hören, erkennen wir, wie zerbrechlich das Gefüge ist. Nichts ist perfekt. Die
Mutter ist unsicher in ihrer Rolle, der Vater ist zweifelnd über seine Vaterschaft,
die Umgebung ist feindselig und das Kind ist sprach- und hilflos. Jahre später
werden die Eltern ihren Sohn oft mit Kopfschütteln und Unverständnis begleiten.
Heilige Familie heißt nicht heile Welt. Vielleicht liegt darin unsere besondere
Nähe zu diesem Geschehen, weil wir in der großen Sehnsucht nach einer heilen
Familie immer wieder unsere Unzulänglichkeit erkennen. Was wollten wir nicht
alles sein und sind es nicht geworden: Liebevolle, sorgsame Väter mit viel Zeit für
die Familie. Geduldige Mütter, die fröhlich die vielfältigen Anforderungen unter
einen Hut bringen. Aufmerksame Partnerinnen und Partner. Artige Kinder, zumindest
nicht ganz so frech, wie wir dann waren. Behutsame Begleiter unserer
altgewordenen Eltern mit einem guten Gefühl für das, was an Hilfe nötig ist. Eine
Schwester ohne Gemeinheiten gegenüber dem Bruder. Eine Schwiegermutter,
die großzügig die Eigenheiten des Schwiegersohns übersieht. Ein Großvater, der
nicht ablehnt, sondern geduldig und gelassen all das Neue erlebt. Alles das sind
wir oft nicht gewesen.
Die Heilige Familie zeigt Schwächen – aber auch Stärken. Denn sie hält gerade
in dieser Vorläufigkeit fest, was wir sein können: Schon in der Halbheit unserer
Liebe, schon im beherzten Bemühen um das Gute sind wir Gott und unserem
Nächsten nah. Wir sind noch nicht fertig. Noch lange nicht. Aber unsere Familie,
in welcher Konstellation wir sie auch leben, ist nicht nur ein zufällig entstandenes
Beziehungskonstrukt, sondern unsere wichtigste Lerngemeinschaft. Hier lernen
wir Aushalten und Akzeptieren, was uns fremd scheint. Hier lernen wir Toleranz
und Nachsicht. Hier bewahren wir unser Eigenes, um für den anderen ein Gegenüber
zu sein. Hier üben wir uns über Jahre in der Liebe.
Denken wir daran, wie dieses Bild der Heiligen Familie seit Jahrzehnten unser
Leben begleitet. Es stehen in vielen Adventszimmern immer noch die gleichen
Figuren. Sie sind nicht älter geworden. Sie sind uns treu geblieben und scheinen
unverändert alles hineinzutragen in diese Nacht, was wir seit 20, 30 oder 50 Jahren
damit verbinden. In diesen Jahren ist viel passiert. Wir sind älter geworden.
Familien haben sich verändert. Wir sind keine Kinder mehr, sondern halten selbst
Ausschau nach einem Partner. Menschen, die uns nahe standen, sind nicht mehr
bei uns oder gehen andere Wege. Kinderwünsche haben sich nicht erfüllt. Ideale
von Familie und Partnerschaft mussten sich an der Wirklichkeit messen lassen
und haben vielleicht keinen Bestand gehabt. Das Leben war bunt, nicht immer
einfach, mit vielen schmerzhaften Einschnitten und so großen Freuden. Doch immer
war das Kind, immer war diese kleine Familie dabei. Sie ist an unserer Seite
geblieben.
Das Symbol der Krippe und die Bilder der Weihnachtsgeschichte sind nicht nur
Dekoration, sie sind nicht nur ein kultureller Brauch, sondern sie sind ein großes
Trostbild. Was da auf der Fensterbank steht ist nicht ein Kunstgewerbe, sondern
ein Bild für das Heil in dieser Welt durch Gott. Und in dieser Heiligen Nacht ist
es auch ein Bild für das Heil in unseren Familien, in unseren Beziehungen und
Freundschaften.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Friede sei in Ihrem Haus.
Ihr Ralf Meister

(Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers)

[Bildquelle: https://landesbischof.wir-e.de/]

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Ralf Meister

Ralf
Meister
Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
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Mo. 07.12.15
Nikolaus - nicht aus Schokolade
Martin Söffing
Nikolaus - nicht aus Schokolade

In Myra, einer Hafenstadt in der heutigen Türkei, herrschte damals zu Lebzeiten des Bischofs Nikolaus große Not. Die Bevölkerung hungerte. Gewalt, Krieg, Krankheit gehörten zum Alltag. Grausame Zeit. Von Bischof Nikolaus wird erzählt, dass er in grausamer Zeit für die Menschen sorgte. Wunder habe er vollbracht. So haben die Menschen seine tatkräftige Hilfe erlebt und Legenden und Geschichten um Bischof Nikolaus erzählt und Lieder gesungen.

Nikolaus war ein guter Mann. So heißt es in dem fröhlichen Lied, das Kinder und Erwachsene in dieser Zeit gerne trällern.

Die Zeit des Bischof Nikolaus war überhaupt nicht lustig – kein Tralala. Aber danken können wir ihm: Bischof Nikolaus war ein mitfühlender, wachsamer, mutiger und aufrechter Mann. Er hatte den Mut, für Menschen einzustehen. Was Recht war, sollte auch Recht sein, wo Not war, musste sie gelindert werden, wo Geld war, diente es zum Teilen, wo Krieg war, rief er zum Frieden, wo Tod war, rief er zum Leben.

Wenn er sich doch vervielfachen könnte! Aber nicht aus Schokolade! Wenn wir so viele lebendige Nikoläuse hätten wie aus Schokolade in den Regalen der Supermärkte stehen, hätten wir vielleicht ausreichend Sozialen Wohnraum, genügend Ärzte und Pflegekräfte in unseren Krankenhäusern, viele aufrechte Menschen in den Regierungen in Berlin, im Land, in den Kreisen und Kommunen, die den Reichtum in unserem Land dort verteilen, wo es notwendig ist.

In einem Adventslied bitten wir: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!“

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Martin Söffing

Martin
Söffing
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Fr. 04.12.15
Lied von einer besseren Welt
KDA (Kirchlicher Die…
Lied von einer besseren Welt

Worum geht es Weihnachten? Um die Geburt eines besonderen Kindes, das die Welt zum Guten ändert. Ist das nicht Träumerei? Gerade die schrecklichen Ereignisse in Paris haben uns die Fragen wieder sehr nahe vor Augen geführt: Wird sich die Welt je zum Besseren verändern? Welche Kraft hat die christliche Botschaft? Wie steht es mit dem Lied, das die junge Maria noch vor der Geburt Jesu anstimmt?

 

„Gewaltiges hat Gott vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen, Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht, Hungrige hat er gesättigt mit Gutem und Reiche leer weggeschickt.“ (Lukas 1, 51-53)

 

Zu direkt? Manch eine/r mag sich so ein machtvolles Eingreifen Gottes auch heute noch wünschen, damit Terroristen von ihren Taten abgehalten werden, damit Verantwortliche in Politik und Wirtschaft alles tun, damit Hungrige satt werden. Aber so einfach ist das nicht (mehr). Unsere Welt ist sehr komplex geworden. Ein einseitiges direktes machtvolles Eingreifen läuft Gefahr, ein Schaden für andere zu sein.

 

Symbolische Deutung Was bedeutet dieser eigentlich gar nicht in unsere übliche Weihnachtsstimmung passende Text heute? Man kann das Lied der engagierten Teenagerin symbolisch verstehen: Wer vor Gott hochmütig ist und nur auf seine eigenen Qualitäten vertraut, wird von seinem „inneren Thron“ geholt. Und: Wer spirituell auf der Suche bleibt, wer nach Sinn hungert, der wird gesättigt und erlebt bei Jesus ein Festmahl. Das ist richtig, erfasst aber nicht das Ganze.

 

Soziale Deutung Der Hymnus bezieht sich zugleich auf das äußere Leben. Ich weiß nicht, ob Maria an zurückgetretene Bankvorstände oder Fußballfunktionäre gedacht hätte. Jedenfalls ist das Lied eine Erinnerung an alle, denen Macht und Kapital anvertraut sind – dass sie demütig bleiben vor Gott und den Menschen. Dass sie das Gute befördern und integer handeln. Dass sie sich Räume suchen, um sich darauf zu besinnen, wem sie mit dem anvertrauten Einfluss und Geld dienen wollen. Sei es in Unternehmen, Gewerkschaften, Kirchen oder Parlamenten. Für Benachteiligte ist Marias Lied ein Mutmacher: Bei diesem Gott treten Außenseiter in die Mitte, Verachtete erhalten viele „Likes“, Arme befreien sich aus der Sozialhilfe und „Loser“ steigen auf. Mitten in das damals von Rom besetzte Israel singt Maria - fast trotzig und voller Zuversicht - von der Sehnsucht nach einer besseren Welt. In Vielem kann man diese schon heute erleben; in Fülle erst in einem neuen Zeitalter. Dass Maria den Mund so voll nimmt, hilft weiter: So bleibt unsere Sehnsucht nach dem guten Leben stark.

 

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zu dieser Wortmeldung an kda@kirchliche-dienste.de

V.i.S.d.P.: Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Archivstraße 3, 30169 Hannover Fon: 0511 1241-449

Autor: Pastor Stephan Eimterbäumer Referent, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Region Niedersachsen Süd eimterbaeumer@kirchliche-dienste.de

Dezember 2015 WORTMELDUNG

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3
30169
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Do. 29.10.15
Fürbitte für die 12. Generalsynode der VELKD…
Wochenspruch
Fürbitte für die 12. Generalsynode der VELKD, die 12. Synode der EKD und die 3. Vollkonferenz der UEK

FÜRBITTE für die verbundene Tagung der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) in Bremen, 5. - 11. November 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

vom 5. bis 11. November kommen die 12. Generalsynode der VELKD, die 12. Synode der EKD und die 3. Vollkonferenz der UEK zu ihren zweiten Tagungen in der laufenden Amtsperiode in Bremen zusammen.
Wir bitten, der verbundenen Tagungen in ihren Gottesdiensten fürbittend zu gedenken.
Dazu machen wir folgenden Gebetsvorschlag:

Du, Gott der Weisheit und des Verstandes,
der Erkenntnis und des guten Rates:
segne diejenigen,
die unsere Kirche leiten:
Synodale und leitende Geistliche,
und alle, die ehrenamtlich oder beruflich dafür Verantwortung tragen,
dass die frohe Botschaft verkündigt wird,
in diesen Tagen auch die Synoden von EKD und VELKD
sowie die Vollkonferenz der UEK,
die in Bremen zusammenkommen
und nach der Bedeutung des Glaubens in einer Offenen Gesellschaft fragen.
Lass deinen Geist in ihnen lebendig sein, gib ihnen offene Ohren und Herzen.

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Di. 20.10.15
Gottes Wille im Herzen
Dr. Matthias Wilke
Gottes Wille im Herzen

Sie ist eine ganz normale Frau „aus guten Verhältnissen“. Nicht viele wissen oder ahnen, dass sie die meiste Freizeit in einer Obdachloseninitiative ihrer Kirchengemeinde verbringt. Dort kocht sie mit Lebensmitteln, die täglich von der „Tafel“ als Spenden geliefert werden. Abends wird der Tagestreff für Obdachlose geschlossen. Die Männer und Frauen müssen wieder auf die Straße. Am liebsten würde sie eine Unterkunft anbauen. Mit Vorurteilen gegen die Obdachlosen kann sie umgehen. Sie hatte früher selbst welche. Aber jetzt hat sie keine Berührungsängste mehr. Vor kurzem fragte sie einen der Männer im Obdachlosentreffpunkt, ob er Familie hat. - Nein, sagte er. Er habe keine Geschwister. Und seinen Vater habe er nie kennen gelernt. Seine Mutter sei mit 35 durch Alkoholvergiftung gestorben. Seit Jahren schon lebe er auf der Straße. - Kann man da noch sagen: Selber schuld an seinem Schicksal?

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“, lässt Gott den Propheten Jeremia sagen. Diese Frau, die einen großen Teil ihrer Freizeit in die Arbeit mit Obdachlosen investiert, ist ein gutes Beispiel für Menschen, denen Gottes Wille in das Herz gegeben ist. Leute wie sie haben einen guten inneren Kompass. Und der leitet sie. Sie engagieren sich für das, was sie als Gutes begriffen haben - oder vielleicht besser: was sie ergriffen hat. Und das macht sie auch stark gegen Widerspruch und Vorurteile. Und ganz nebenbei macht das Engagement das Leben reicher: „Ich bin gern für andere Menschen da. Das ist für mich christliches Leben. Und mein Alltag ist dadurch auch anders geworden. Irgendwie lebe ich mit mehr Tiefe.“

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
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Fax: 
(04261) 630 39 19
Do. 01.10.15
Arbeit als Egotrip?
KDA (Kirchlicher Die…
Arbeit als Egotrip?

 

Traum oder Albtraum?
Er hat sich mit 33 Jahren selbständig gemacht und ein
beachtliches Unternehmen aufgebaut. Davon zeugt
heute ein moderner Gebäudekomplex. Für die Familie
baute er eine große Villa auf dem Firmenanwesen.
Mit 62 hörte sein Herz auf zu schlagen. Die Söhne
hatten kein Interesse, die Firma zu übernehmen. Sie
spekulierten auf den Erlös des Verkaufs, der dann aber
geringer ausfiel als erwartet. Vom Unternehmen gibt
es nur noch eine schicke Homepage, aber niemand
ist mehr erreichbar. Das Firmengelände gleicht einer
Geisterstadt. Ein bedrückendes und abruptes Ende von
großem Einsatz an Lebensenergie.
Eine weitere Karriere: Er ist mit 45 Jahren Vorgesetzter
von 1.200 Beschäftigten. Als Auszubildender hat er im
Unternehmen angefangen und sich Stück für Stück
hochgearbeitet. Als Personalchef ist er eher gefürchtet.
Viele kennen ihn noch als Kollegen, der sich geschickt
und oft auf Kosten anderer in Szene gesetzt hat, um
beruflich aufzusteigen. Die Ehe ist zerbrochen und zu
seinen Kindern hat er nur noch losen Kontakt.

Was treibt mich an?
Wem beweise ich etwas mit meinem Tun: Mir selbst,
meinen Eltern, den Kollegen oder dem sozialen Umfeld?
Die Suche nach Anerkennung ist ein besonders
kräftiger Motor, der unvorstellbare Energien freisetzt.
Erfolg führt dabei leicht zu Überheblichkeit, die Warnschilder
rücksichtslos überfährt. Menschenwürde, Respekt,
Nächstenliebe und Barmherzigkeit bleiben da
schnell auf der Strecke. Wer hier auf die schiefe Ebene
gerät, kann nur sehr schwer umkehren.

Wozu arbeite ich?
Habe ich eine Vision für mein Leben und Arbeiten?
Wofür will ich mich einsetzen? Was bleibt, wenn ich
einmal keine Energie mehr habe? Wofür lohnt sich
der Einsatz am Ende wirklich? Je länger ich mich diesen
Fragen aussetze, erkenne ich den unermesslichen
Wert von echten und vertrauensvollen Beziehungen.
Hat Gott den Menschen nicht auf Ergänzung hin angelegt?
Jede und jeder ist ein Abbild von ihm. So steht es
ganz am Anfang in der Bibel. Aus vielen verschiedenen
Puzzleteilen wird ein großes Bild. Der Apostel Paulus
bezeichnet die christliche Gemeinde deshalb später als
Leib Christi. Nur durch das achtsame Zusammenwirken
unterschiedlichster Begabungen entsteht etwas wirklich
Neues und Kraftvolles. Eine christliche Gemeinde
zeichnet sich dadurch aus, dass sie bewusst fragt: Herr,
welchen Auftrag gibst Du uns? Was sollen wir tun?
Freiheit und Beruf(ung)
Luther, Calvin und andere Reformatoren der Kirche
haben der Arbeit einen neuen Wert zugemessen.
Für sie war sie nicht mehr nur notwendiger Erwerb,
sondern der Ausdruck von Freiheit und Berufung, das
Schöpfungswirken Gottes fortzusetzen. Gleichzeitig
wurde auch die Gefahr der Loslösung der Arbeit von
der Berufung erkannt: „Woran Du dein Herz hängst,
das ist dein Gott!“ warnte Martin Luther eindringlich.
Jeder Mensch steht in der Gefahr der Entfremdung
von Gott und der Versklavung unter den Götzen Arbeit.
Das rechte Maß hierbei zu finden, ist eine täglich
spannende Herausforderung!

Autor:
Pastor Peer-Detlev Schladebusch
Referent, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt Region Lüneburg-Wolfsburg, Spiritual Consulting
schladebusch@kirchliche-dienste.de

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Mo. 28.09.15
Vielfalt statt Einfalt
Martin Söffing
Vielfalt statt Einfalt

Am kommenden Sonntag wird mit einem ökumenischen Gottesdienst zum 40. Mal die Interkulturelle Woche eröffnet. „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ lautet das Motto in diesem Jahr.

Das Plakat zeigt fünf Klingelschilder an einer Hauswand. Aber ich lese keine Namen auf den Schildern. Ich sehe Gesichter der Menschen, die dort leben.

Im Erdgeschoss lebt ein Paar, fröhliche Gesichter von zwei jungen Männern schauen mich an.

Darüber lacht mir ein junger Mann entgegen. Aus seinem dunklen Gesicht strahlen braune Augen ins Leben.

In der dritten Etage leben drei junge Menschen, vielleicht Studierende. Woher sie wohl kommen? Aus Japan vielleicht?

Über ihnen in der Wohnung lebt eine Familie. Eltern mit ihrem Sohn schauen nach oben. Da lebt eine ältere Frau. Sie blickt auf die junge Familie in der unteren Wohnung. Passt sie manchmal auf den kleinen Jungen auf? Sie hat schon viele Lebensjahre gesammelt. Ob sie ein Flüchtlingskind war? Was sie wohl alles erlebt hat?

 

Die Fotos machen mich neugierig: Welche Geschichte gehört zu diesen Menschen? Wie kann ich etwas von ihnen erfahren?

Klingeln. Ich kann einfach mal klingeln.

Vielleicht wird mir geöffnet.

Vielleicht darf ich eintreten in ihre Lebensgeschichten.

 

Sie wohnen in einem Haus, unter einem Dach. Sie leben miteinander, teilen die Haustür, das Treppenhaus, den Garten. Jeder hat einen eigenen Eingang zu seiner Wohnung.

In der Bibel erfahre ich, dass Gott der Schöpfer aller Menschen ist. Er hat alle Menschen mit Glanz und Würde gekrönt, sagt Psalm 8. Alle Menschen sind seine Hausgenossen unter seinem Dach, schreibt Paulus.

Die Vielfalt der Menschen Gottes kennenzulernen: Das Beste gegen Einfalt!

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Martin Söffing

Martin
Söffing
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Mo. 14.09.15
Willkommen in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Willkommen in Deutschland

Das vorherrschende Thema in den Medien ist zurzeit die Flüchtlingsproblematik. Jeden Tag sehen wir Bilder, die uns erschrecken und sich tief in unser Gedächtnis eingraben: Ein kleiner ertrunkener Junge am Strand liegend. Tote Männer, Frauen und Kinder in einem Kühllaster. Menschen, die lauthals ihre Fremdenhass-Parolen den Flüchtlingen entgegenschreien. Bilder, die beschämen und fassungslos machen.

Aber es gibt auch die andere Seite. Prominente und Politiker, die klare und deutliche Worte finden. Menschen, die mit großem ehrenamtlichem Engagement vor Ort unterstützen. Bilder von Menschen, die erschöpfte Flüchtlinge mit Applaus und Welcome-Schildern am Bahnhof begrüßen. Mit ihren Worten und Taten bilden sie alle einen Gegenpol zu Fremdenhass und Ausgrenzung.

Auch hier in Rotenburg und den umliegenden Gemeinden gibt es eine große Bereitschaft zu helfen durch ehrenamtliche Unterstützerkreise, durch Nachbarn und Patenschaften, durch Kirche und Diakonie.

Migration und Flucht ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Bibel. Schon das Volk Israel flüchtete aus Ägypten. Und Maria und Josef fliehen mit ihrem Baby vor der Gewalt des Diktators Herodes nach Ägypten. Die erste Erfahrung im Leben des Kindes Jesus ist die Flucht. "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen." So heißt es im Alten Testament und Christen werden im 2. Petrusbrief selbst als Fremdlinge auf dieser Erde bezeichnet.

Flüchtlinge sind also eine Chance, der Liebe Gottes in Jesus Christus eine Gestalt zu geben und sie erfahrbar werden zu lassen. Einen großen Dank an alle, die sich daran beteiligen und damit Zeichen setzen.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Geschäftsführerin der Rotenburger Werke gGmbH
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(0426) 920200
Mo. 07.09.15
Züge aus Ungarn
Peter Handrich
Züge aus Ungarn

1989 sammelten sich in den Botschaften Ungarns und der Tschechoslowakei Menschen aus der DDR, die in den Westen wollten. Am 30. September 1989 wurde klar, dass die in Budapest Campierenden mit Zügen nach Westdeutschland ausreisen durften. Die Freude war groß.

Dieser Tage kommen wieder Züge aus Ungarn in Deutschland an. In ihnen sind Flüchtlinge aus Syrien, die den jahrelangen Bürgerkrieg einfach nicht mehr aushalten können – und auch Flüchtlinge aus anderen Ländern, die zu uns kommen, weil die wirtschaftliche Lage in ihren Heimatländern sie hoffen lässt, dass es ihnen bei uns besser gehen wird. Das sind die so genannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, die viele gern sofort wieder zurückschicken möchten, allen voran unser Innenminister.

Allerdings gibt es bei uns so viele Dinge nur deshalb zu so günstigen Preisen zu kaufen, weil sie in anderen Ländern unter Bedingungen hergestellt werden, die Menschen arm machen. Kein Wunder, dass sie zu uns wollen. Weil wir hier ja viel Geld verdienen und alles so billig ist. „Etwas besseres als den Tod finden wir überall“, sagen die Bremer Stadtmusikanten. In unseren Zeiten haben sie nur halb Recht, weil sie auch im Meer ertrinken oder in LKWs ersticken können – aber wenn sie dann hier sind, dann haben wir doch die moralische Pflicht, ihnen auf eine Weise weiter zu helfen, dass sie bei uns gut leben können. Gut, dass das viele Menschen gerade auch genau so machen.

Aber wir haben noch zwei weitere moralische Pflichten: Solange die Weltwirtschaft so funktioniert, wie sie funktioniert, brauchen wir erlaubte und sichere Fluchtrouten. Fähren. Und Busse. Und wir müssen alles dafür tun, dass alle Menschen von ihrer Arbeit gut leben können. In Europa und in allen anderen Ländern.

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
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(04261) 920889
Mo. 31.08.15
Tür-und-Angel-Gespräch
Tür-und-Angel-Gespräch

Es gibt viele Menschen, die drückende Lasten viel zu lange mit sich herumschleppen. Sicher, einige können diese inneren Belastungen auch ganz gut verdrängen. Sie schalten ihr Gewissen einfach aus. Sie rechtfertigen sich selbst und reden sich ein, die anderen sind auch nicht besser als ich - selber schuld, wenn sie sich so benehmen, oder man muss ja irgendwie sehen, wie man im Leben zurechtkommt.

Aber es gibt eben auch Menschen, die so einfach keinen Frieden in ihrem Leben finden. Sie kommen mit sich und der Welt nicht richtig ins Reine. Manchmal hat das sehr konkrete Ursachen. In einem Gespräch zwischen Tür und Angel in der Schule (das passiert nicht selten) erzählte mir ein Jugendlicher, dass er auf einer Party mehrere CDs mitgehen lassen hatte. Die Musik hätte ihm so gut gefallen, dass er nicht widerstehen konnte. Doch nachdem er die CDs einfach eingesteckt hatte, fand er keine Ruhe mehr. Jedes Mal, wenn er die Musik anhörte, er hatte sie in der Zwischenzeit auf sein iPhone gezogen, konnte er sich nicht darüber freuen, immer wieder kam sein schlechtes Gewissen hoch. Er fragte mich, was er jetzt machen solle. Ich überlegte und riet ihm dann, er könne zum Besitzer hingehen und ihm den Diebstahl beichten und die gestohlenen CDs zurückgegeben. „Nee, das will ich eigentlich nicht, dann kriegen ja alle mit, dass ich geklaut habe. Sie wissen doch, wie schnell das über Facebook und WhatsApp und so geht“, entgegnete er. Ein paar Wochen später sagte er mir nach dem Unterricht, dass er die CDs zurückgegeben habe. Und über Facebook & Co sei nichts gekommen.

Ich finde das sehr mutig. Viele Streitigkeiten und Beleidigungen könnten durch ernst gemeinte Entschuldigungen schnell wieder aus der Welt geräumt werden.

Manche Menschen werden Tag und Nacht geplagt, weil sie einen Fehler begangen haben. Manche haben Angst, was sie nun alles umgekehrt treffen wird und sie ihren Frieden los sind. Aber nicht jedes Unrecht lässt sich so leicht aus der Welt schaffen, wie gestohlene CDs. Der Apostel Paulus, der lange mit seinem Eifer und seinen Ängsten ringen musste schreibt dazu: "Wir haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir im Glauben den Zugang haben zur Gnade." Ich verstehe das so: Christus beschenkt mich mit seinem Frieden. Gott lässt mich nicht fallen. Er schätzt mich. Ich bin in Ordnung, auch wenn ich mal etwas falsch gemacht habe. Das kann ich glauben. Das gibt mir Ruhe. Das gibt mir Frieden. Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie diesen Frieden erleben können.

 

Mo. 03.08.15
Huch!? Ein Ungeheuer!
Huch!? Ein Ungeheuer!

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Samstagmittag: Ich fahre mit dem Auto; wobei – von „fahren“ kann nicht die Rede sein. Ich krieche mit dem Auto, und dann stehe ich. Irgendwo auf der A7. Die Sonne verwandelt meinen Wagen in eine Sauna. Klimaanlage wäre schön gewesen. Langsam schiebt sich die Autoschlange auf der Fahrbahn dahin. Und in den Autos?

Menschen auf der Suche nach Entspannung, nach Urlaub. Klar sind sie zu erkennen an ihren Utensilien im Kofferraum: Ein grünes Schwimmringungeheuer grinst mich an. In die hinterste Ecke hat gerade so noch ein Schlafsack gepasst. Kofferräume, die bis obenhin beladen sind. Alles, was man braucht für einen Urlaub (und wahrscheinlich noch viel mehr).

Urlaubszeit – Zeit zum Entspannen? Wäre doch mal interessant zu wissen, wie viele Urlaube so anfangen: Im Stau auf der Autobahn. Oder alternativ am Flughafen: Flieger fällt aus. Oder am Bahnhof: Anschlusszug verpasst. Ergebnis ist ja immer dasselbe: Stress pur. Den hätte man ja eigentlich auch zu Hause haben können oder auf der Arbeit.

Zurück aber in meine kleine rollende Sauna: Während ich da so im Stau vor mich hin stehe, krame ich auf dem Beifahrersitz. Eine Karte liegt da. Auf ihr steht: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Jetzt heißt es: Humor beweisen, denn meine Zeit wird die nächsten anderthalb Stunden noch in diesem Stau in deinen Händen stehen! Obwohl: Wo ich hier schon so stehe – so richtig „entschleunigt“ im wahrsten Sinne: Gut, nehme ich die zwangsverordnete Pause doch mal an. Schließlich können solche Momente auch gut sein, um etwas Verborgenes zu entdecken. Und wenn es zuerst nur das Schwimmringungeheuer im Auto vor mir ist.

Mo. 27.07.15
Copy and paste
Amely Lißner
Copy and paste

Seitdem ich mit dem Computer arbeite, ist das Leben um vieles leichter geworden. Ich mag mich gar nicht erinnern, wie ich damals im Studium noch mit Schreibmaschine und Tippex arbeiten musste. Und dann diese Erleichterungen! Fast automatisch werden heute die Tasten für copy and paste (kopieren und einfügen) genutzt, um fremde Texte oder Zitate in den eigenen Text zu kopieren.

Copy and paste sorgt aber gelegentlich auch für Ärger. Macht man diese fremden Texte zu seinem Eigentum, ohne sie als Zitate mit Anführungszeichen und Stellenangabe zu versehen, dann ist das geistiger Diebstahl. Ganze Doktortitel wurden so aberkannt, weil spitzfindige Prüfer den geistigen Dieben auf die Schliche kamen.

Copy und paste wird aber auch immer mehr zu einem Lebensstil. Es schockiert mich, wie viel in unserem Leben kopiert wird. Vielleicht aus Bequemlichkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit oder auch Angst? Und der Ordner für unsere Lebenskopien ist groß. Meinungen und Ansichten anderer werden kopiert, weil es zu anstrengend ist, den eigenen Kopf zu bemühen. Neueste Modetrends kommen in den Schrank, ob sie nun gut an mir aussehen oder nicht, denn man möchte ja dazugehören. Junge Mädchen kopieren Körpermaße aus Model-Shows und hungern sich fast zu Tode, nur um irgendwelchen unverantwortlichen Schönheitsidealen nachzueifern.

Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist gewiss nicht immer leicht. Den eigenen Weg zu finden, das ist manchmal auch steinig und schwer. Aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Im Kindermutmachlied heißt es: „Gott sagt zu Dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“ Wir haben jemanden an unserer Seite, der mit uns geht. Er hilft mir zu erkennen: Ich bin keine Kopie! Denn das ist mein Leben: niemand kann an meiner Stelle seine Risiken und seine Chancen aus Gottes Hand nehmen. Das ist mein Körper: ein Teil von Gottes Schöpfung, einzigartig und darum kostbar. Das bin ich: von Gott gewollt und bejaht, so wie ich bin.

 

KONTAKT

Amely Lißner

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindegruppen
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Amely
Lißner
Pastorin der Stadtkirchengemeinde
Am Kirchhof
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 4962
Mo. 06.07.15
Reichtum und Armut
Reichtum und Armut

Morgens vor dem Aufstehen höre ich die Nachrichten und den Wetterbericht, um mich für meine Fahrradfahrt zur Arbeit entsprechend anzuziehen. Vor einiger Zeit hörte ich unter anderem, dass jemand sich für etwa 120 Millionen Euro ein Werk von Picasso ersteigert hat. Diese kurze, eher neben-sächliche Bemerkung hat mich nicht mehr losgelassen. So viel Geld! Was könnte damit zum Wohle der Allgemeinheit alles finanziert werden!

Der Kirchenkreis Rotenburg hat es geschafft, für ein selbst ausgewähltes Brot-für-die-Welt-Projekt zur Unterstützung von Bauern in den peruanischen Anden innerhalb von drei Jahren knapp 190 000 Euro aufzubringen. Eine stolze Leistung, finde ich. Aber was sind 190 Tausend Euro im Vergleich zu 120 Millionen! Dieses Beispiel macht deutlich, wie die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird. Immer weniger Menschen besitzen immer mehr. Das schürt auf der einen Seite die Ängste der Reichen, von ihrem Besitz etwas zu verlieren, und vergrößert auf der anderen Seite die Sorge derer, die wenig haben. Das schafft ein bedrohliches soziales Klima für unsere Zukunft und die unserer Kinder.

Schon vor einigen Jahren hat ein Wirtschaftswissenschaftler davon gesprochen, dass es an der Zeit ist, nicht nur eine Armutsgrenze festzusetzen, sondern auch über eine Reichtumsgrenze nachzudenken, vielleicht auch über eine Gehalts-Obergrenze.

Der Mensch braucht für ein menschenwürdiges Leben über die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Bildung und Arbeit hinaus noch etwas, das sich nicht mit Geld bezahlen lässt. Er möchte sich selbst als wertvoll und wertgeschätzt erleben. In Jesu Nähe haben Menschen das erlebt. Jesus hat uns in seinem Doppelgebot der Liebe eine Anweisung für gelingendes Miteinander gegeben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen dienen Kräften“ und „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ (Markus 12, 30f.) Das in mein Leben hineinzubuchstabieren ist sicherlich eine lebenslange Aufgabe. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt und meinem Leben Sinn und Tiefe gibt – auch wenn ich mir keinen Picasso leisten kann und will.

Mi. 01.07.15
Es geht auch anders
KDA (Kirchlicher Die…
Es geht auch anders

„Es geht um Gleichwertigkeit. Das war und ist einer
unserer Grundwerte.“ So Uwe Lübbermann, als er von
seinem Unternehmen berichtet. „Für mich sind alle am
Erfolg des Unternehmens Mitwirkende gleichwertig
zu hören und zu beteiligen – sowohl an möglichen
Veränderungen des Produktes, wie auch am Preis und
am Lohn. Jede und jeder erhält gleichen Lohn. Damit
gibt es seit Jahren in der gesamten Lieferkette wenig
Reibungsverluste.“
 

Es geht um Werte
Alle erhalten den gleichen Lohn? Aber trägt denn
der Geschäftsführer nicht mehr Verantwortung und
arbeitet mehr und hat deshalb mehr Geld verdient?
Oder ist es der Fahrer des 40-Tonners, der mehr Verantwortung
trägt, oder die Abfüllerin am Band, die Sorge
dafür trägt, dass gute Ware in saubere Flaschen gefüllt
wird? Das wird mit den Beteiligten heiß diskutiert und
am Ende gibt es den Konsens: Jede und Jeder verdient
auch zukünftig das Gleiche.

Nicht um jeden Preis
Das ist eine gute Nachricht: Hier ist jemand beruflich/
unternehmerisch erfolgreich, obwohl er Wert darauf
legt, dass alle in der Wertschöpfungskette gut behandelt
werden und gerne gute Arbeit liefern. Er versteht
sich nicht als alleiniger Erfolgsmotor, sondern als Teil
eines Netzwerkes, das sich jeweils um bestmögliche
Lösungen für alle Beteiligte bemüht. „Wenn ich als
Einkäufer oder Verkäufer Druck auf die Preise mache,
wird dieser Druck immer weitergegeben, bis
er das schwächste Glied in der Kette trifft: einfache
Angestellte und Arbeiter.“ Lübbermann will so nicht
wirtschaften. Er muss es auch nicht, weil er nicht um
jeden Preis wachsen will. Geld und Gewinne sind auch
ihm wichtig, aber Beziehungen und Werte sind ihm
wichtiger. Sie sind ein Schlüssel zum Erfolg.
 

Es geht auch anders
Dieses Beispiel öffnet den Blick für Alternativen. Ja,
es gibt sie! Nachhaltiges, soziales Wirtschaften ist
machbar und kann erfolgreich sein. Nur, was sind die
Erfolgskriterien? Treibt uns die Sorge an, wir könnten
zu kurz kommen oder schätzen wir den Mehrwert von
Geben und Nehmen? Respektieren wir die Bedürfnisse
und die Meinung des Gegenübers als gleichwertig und
suchen einvernehmliche Lösungen?“ Jeder Mensch hat
das Bedürfnis nach Respekt. Jeder sehnt sich danach, als
Person wahrgenommen und mit seinen Bedürfnissen
anerkannt zu werden.

Im biblischen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
konfrontiert uns der Verfasser Matthäus auch mit
einem Handeln, das die Prinzipien der menschlichen
Wahrnehmung und das allgemeine Wertesystem
sprengt: Alle Arbeiter im Weinberg erhalten denselben
Lohn, ob sie einen Tag oder eine Stunde gearbeitet
haben! Die Güte – in diesem Fall: Gottes – durchkreuzt
menschliches Gerechtigkeitsdenken und -empfinden
und bloßes leistungsorientiertes Wirtschaften.
Vor Gott sind alle Menschen gleich wertig. Und doch
kommt keiner zu kurz.

Was für eine Provokation für unsere Diskussionen um
gerechte Löhne und verdiente Gewinne. Vielleicht eine
(erneute) Anregung für eigenes Denken und Handeln?

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zu dieser
Wortmeldung an kda@kirchliche-dienste.de.

 

WORTMELDUNG Juli 2015
Autorin: Waltraud Kämper
Referentin, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
kaemper@kirchliche-dienste.de
 

KONTAKT

KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3
30169
Hannover
Tel.: 
(0511) 1241-449
Mi. 01.07.15
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein;…
Monatsspruch
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. Mt 5, 37

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein;
alles andere stammt vom Bösen.
Mt 5, 37

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Mo. 29.06.15
Schlaflos in Deutschland
Jutta Wendland-Park
Schlaflos in Deutschland

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht kennen einige von Ihnen den Film „Schlaflos in Seattle“. Er erzählt von einem Architekten, der nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn nach Seattle zieht, um Abstand zu gewinnen. Dort ruft sein Sohn bei einer Radiosendung an, weil er für seinen Vater eine neue Frau sucht. Die Radiomoderatorin betitelt das Gespräch mit dem Vater aufgrund dessen Schlaflosigkeit „Schlaflos in Seattle“.

Wie schön kann es ein, sich nach einem anstrengenden Tag ins Bett fallen zu lassen und Ruhe zu finden für Körper, Geist und Seele. Aber das gelingt nicht immer. Stattdessen kreisen die Gedanken im Kopf und an Schlaf ist nicht zu denken.

Vielleicht ergreifen Ängste von einem Menschen immer wieder Besitz, berufliche und persönliche Sorgen liegen bleischwer auf der Seele oder der Tod eines geliebten Menschen lässt die Welt aus den Fugen geraten. So vergeht Stunde um Stunde und die Nacht wird zum Tag.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Schlaflosigkeit. Laut Bericht einer Wochenzeitung wurden 2014 allein 18,7 Millionen Packungen von Beruhigungs- und Schlafmitteln in deutschen Apotheken verkauft. 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen kommen ohne diese Medikamente nicht durch die Nacht und oft auch nicht mehr durch den Tag.

Eine erschreckende Bilanz. Sie zeigt, wie belastet viele Menschen sind und wie wenig sie noch Ruhe im Alltag finden. Die Zahlen sind ein stummer Hilferuf und eine Anfrage an unsere Lebens- und Arbeitsweise. Schon die Bibel kennt die Unruhe der Menschen. Im Psalm 42 fragt der Beter: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“

Wir leben in einer lauten und hektischen Welt, in der zudem Arbeit und Freizeit oftmals verschmelzen. Doch jeder Mensch braucht Zeiten der Entschleunigung, in denen er alle Sorgen einmal vergessen und aufatmen kann. Er braucht Bedingungen, die ihm dies ermöglichen und Quellen der Kraft.

Der Glaube an Gott kann eine solche Kraftquelle sein. Er entbindet nicht von allen menschlichen Bemühungen, aber hilft, Ruhe zu finden.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Geschäftsführerin der Rotenburger Werke gGmbH
Lindenstraße 14
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(0426) 920212
Fax: 
(0426) 920200
Mi. 27.05.15
Augen offenhalten
Sabine Gerken
Augen offenhalten

Nun ist das Jahr 2015 schon wieder halb vorbei. Rast die Zeit eigentlich wirklich immer mehr, je älter man wird?! Wie lang war doch als Kind die Zeit von Weihnachten bis Weihnachten! Ich dachte, so ein Halbjahr ist eine gute Gelegenheit, einmal Bilanz zu ziehen und zu sehen, was aus den guten Vorsätzen vom Jahresanfang geworden ist. Ich nehme mir nämlich tatsächlich immer etwas vor und habe schon sehr verrückte Erfüllungen meiner Vorsätze erlebt!
Ich schaue also nochmal in mein Tagebuch und entdecke neben den üblichen Dingen wie „mehr bewegen“ und „mehr Nachrichten verfolgen“ den Vorsatz: „Augen
aufhalten für das, was Gott tut!“ Ja, das will ich - entdecken, wie Gott in meinem Leben und im Leben anderer wirkt und spricht, wie er sich finden lässt im Alltag und im Besonderen.
Mir fällt das wunderschöne Sommerlied von Paul Gerhardt ein: „Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben…“
Da hat also auch jemand den Wunsch, Gottes gutes Wirken zu entdecken. Er fordert sein Herz auf, zu sehen und zu loben. Und Paul Gerhardt findet in den 15 Strophen dieses Liedes (im Gesangbuch unter der Nummer 503 zu finden) viele Gründe, Gott zu loben: die blühenden Gärten, die Bäume, die Vögel, Bäche und Bienen, das wachsende Getreide.
Dabei hätte er nun wirklich viele Gründe gehabt, zu schweigen oder gar an Gott zu verzweifeln: Seine Eltern verlor er schon als Kind, er erlebte das Elend des dreißigjährigen Krieges, seine Frau und vier seiner fünf Kinder verstarben sehr früh, als Pastor erlebte er viele Widerstände und schwierige Zeiten. Und doch besingt Paul Gerhardt in vielen seiner Lieder ein fast kindliches Vertrauen in den guten und barmherzigen Gott, der uns viele Gründe gibt, ihn zu loben.
Also werde wohl auch ich viele Spuren Gottes in der „lieben Sommerzeit“ und in meinem Leben finden – wollen Sie mit mir zusammen die Augen offenhalten?

Offene Augen wünscht sich und Ihnen
Sabine Gerken,
Diakonin in Scheeßel und Lauenbrück

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Sabine Gerken

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Sabine
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Diakonin
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Fr. 01.05.15
"Alles vermag ich durch ihn, der mir…
Monatsspruch
"Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt."

"Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt." (Phil 4,13)

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Di. 14.04.15
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am…
Dr. Matthias Wilke
Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945

„Christus hat sein Leben auf dieser Erde noch nicht zu Ende gebracht. Er lebt es weiter im Leben seiner Nachfolger.“ Ich lese daraus: Nicht, was ich will oder für richtig halte, ist letztlich entscheidend, sondern das, worin Gottes Wille sich zeigt, soll die Leitlinie für mein christliches Entscheiden und Handeln sein. Das ist ein deutlicher und klarer Aufruf, die kritische Kraft des Evangeliums mutig in die gegenwärtige Zeit einzutragen.

Darin drückt sich die Haltung aus, die hinter der Ethik Dietrich Bonhoeffers steht. Vor zwei Tagen jährte sich sein Todestag, der 9. April 1945. Kurz vor Ende des Krieges wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hat deutliche Spuren hinterlassen. Er hätte in seinem Leben die Möglichkeit gehabt, nach persönlichen Interessen zu entscheiden, um sich selbst zu schützen. Er hätte schweigen oder fliehen, sich heraus halten können aus dem eskalierenden Wahnsinn des Nationalsozialismus. Stattdessen hielt er mutig stand bis zuletzt, getragen vom Gottvertrauen und Gehorsam gegenüber Gottes Willen.

Das ist beeindruckend. Diese Kraft und dieses Vertrauen wünsche ich mir auch für unsere Zeit. 70 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, doch haben seine Einsichten nicht an Bedeutung verloren. Auch und vielleicht gerade heute ruft sein Erbe dazu auf, angesichts von Gewalt und Unterdrückung für Menschenrechte und Menschenwürde einzutreten. Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt der schreckliche Brandanschlag auf die für die Ankunft von Flüchtlingen vorbereitete Unterkunft in Tröglitz am vergangenen Wochenende.

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Dr. Matthias Wilke

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Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
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(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
Do. 09.04.15
Tiefer Abgrund
Tiefer Abgrund

Es ist viel gesagt und geschrieben worden in den letzten Tagen über den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Die Katastrophe lässt einen bis jetzt nicht los und je nach persönlicher Betroffenheit wird sie einige Menschen nie loslassen.

Abstürze in einen tiefen Abgrund können jeden Menschen treffen. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Man bekommt vor Entsetzen keinen Laut mehr heraus.

Wahrscheinlich ging es den Passagieren wie auch der Besatzung so und nun den Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes. Völlig sprachlos und unerträglich traurig sein.

Jeder reagiert da unterschiedlich. Manche weinen und schreien und sind aufgebracht. Andere sacken in sich zusammen, ziehen sich zurück, sind wie versteinert und schotten sich von der Außenwelt völlig ab.

Da kann man froh sein, wenn es Menschen gibt, die einem zur Seite stehen. Die einfach da sind und die einen festhalten, wenn man ins Bodenlose fällt. Menschen, die bereit stehen und Acht geben, wann ihre Hilfe gefragt ist. Die klar sehen, wie gehandelt werden muss und dann machen, was nötig ist. Verwandte und Freunde und Nachbarn können das sein. Lehrer oder Mitschüler, die sich in den Arm nehmen und ertragen, dass der andere weint und sie nicht wirklich helfen können. Dem Co-Piloten der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 fehlten möglicherweise solche Menschen, oder sie haben es nicht bemerkt, was mit ihm los war, weil er sich gut hinter sich selbst verstecken konnte.

Es gibt so Tage und Wochen, wo man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Christen denken jedes Jahr besonders vor Ostern daran. Nicht, weil sie es sich gerne kompliziert machen und sich gerne mit dunklen Phantasien herumplagen. Nein, die Welt wird eben manchmal so dunkel, dass Nichts mehr zu sehen ist. Wie damals, als Jesus hingerichtet worden war. Das haben seine Freunde auch kaum ausgehalten. Ein Teil ist kopflos weggelaufen, andere haben sich versteckt.

Später haben sie gespürt, dass Gott Jesus nicht seinem Schicksal überlassen hat. Wir Christen glauben, dass Gott uns auch in schweren Situationen nicht alleine lässt. So kann das Leben auch neu beginnen.

Es ist aber nicht immer einfach, so zu glauben. Gerade nicht, wenn alles in Trümmer gefallen ist. Ich hoffe, es kann den Schmerz der Angehörigen ein wenig lindern, wenn sie bemerken, wie viele Menschen in der ganzen Welt Anteil an ihrem Zustand nehmen. Auch wenn immer noch viele Fragen offen sind.

 

 

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