Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 31.03.14
Allenfalls Märzglocken
Peter Handrich
Allenfalls Märzglocken

Letzte Woche habe ich versucht, für meinen Gottesdienst am Ostersonntag Osterglocken zu bestellen. In unserer Gärtnerei haben sie mir gesagt, das wird schwierig. Ob ich, wenn das nicht klappen sollte, auch andere Blumen nehmen würde. Ja, habe ich gesagt, gerne Tulpen. O, haben sie gesagt, das wird schwierig. Ob auch andere Blumen gehen würden? Ja, was sollte ich anderes sagen als „Sommerblumen“? Sommerblumen gehen.

Überraschend für mich war, dass Blumen anscheinend tatsächlich noch nach ihren Zeiten im Jahr vermarktet werden. Der April, das späte Osterfest, ist zu spät für Osterglocken. Osterglocken sind allenfalls Märzglocken.

Dabei gibt es das ganze Jahr über Tomaten, meist aus den Niederlanden, wo auch die Osterglocken und Tulpen herkommen. Und als Schnittchendekoration sehe ich auch das ganze Jahr über Erdbeeren. Es gibt das ganze Jahr über Zucchini, Paprika, Kohl, Salat, Äpfel. Warum eigentlich keine Osterglocken?

Ich glaube, wir Menschen haben eigentlich ein ausgeprägtes Gefühl für die Jahreszeit. Wir wollen Osterglocken im Frühjahr, Sommerblumen im Sommer, Astern im Herbst und Weihnachtssterne zu Weihnachten. Das ist die jahreszeitliche Dekoration, die mit den passenden Papierservietten und Tischdeckchen harmoniert. Und vermutlich mit unserem eigenen Biorhytmus.

Aber natürlich möchten wir in jeder Dekoration alles das haben, was zum Leben dazugehört: Erdbeeren, Zucchini, Paprika, Kohl, Äpfel und Co. Wir sind doch freie Menschen und wollen die freie Wahl haben. Erdbeeren nur im Mai – unglaublich! Wo kämen wir hin, wenn neben der Deko auch noch das Essen jahreszeitlich beschränkt wäre. Also, außer zu einer besseren Ökobilanz?

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Peter Handrich

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 920889
Mo. 17.03.14
Glauben – Wahrnehmen – Handeln
Matthias Richter
Glauben – Wahrnehmen – Handeln

Gestern klingeln sie wieder bei mir. Zwei Frauen im langen Rock, eine älter, die andere ein Teenager – Jehovas Zeugen. Ob ich an Gott glaube und mit ihnen darüber reden möchte. Meine Antwort ist ziemlich einsilbig: Ja, ich glaube an Gott, aber ein Gespräch möchte ich nicht führen. Meine Tür ist schon fast wieder zu, da kriegt mich die ältere der beiden Damen doch noch zu packen. Ob ich nicht auch meine: Diese Welt sei so schlecht, da sollte man sich doch am besten aus allem heraushalten und ein gottgefälliges Leben führen, so wie es „Jehovah“ möchte.

Ich muss gestehen: Eine solche Einstellung macht mich regelrecht sauer. Natürlich ist diese Welt nicht so, wie sie sein sollte. Und für diese Einsicht muss ich nicht mal bis nach Syrien schauen. Und natürlich fühle ich mich manchmal machtlos, angesichts der komplexen Herausforderungen dieser Welt: Wo fange ich an? Und oft sind die Situationen ja auch undurchsichtig – und da hilft es gar nichts, wenn ich Bibelstellen aus dem zwölften vorchristlichen Jahrhundert aus dem Zusammenhang reiße, um Antworten auf unsere Fragen zu finden.

Aber trotzdem ist die Folgerung für mich immer: Sich einmischen! Auch auf das Risiko, sich angreifbar zu machen. Ohne Besserwisserei und immer auch auf die Gefahr, einen Fehler zu machen. Recht verstanden sind Christen große Einmischer. Der Kern des Glaubens ist ja, dass Gott diese Welt nicht egal ist. Deswegen kann sie es seinen Freunden auch nicht sein. Und deswegen setzen sie ihren Glauben um. Sie haben einen guten Blick für das, was gerade Not tut. Und lassen sich dann nicht lange bitten, vernetzen sich mit anderen, suchen kreative Lösungen, die allen Menschen und unserer Erde dienen.

Das Leitwort unseres Kirchenkreises bringt das so auf den Punkt: Glauben – Wahrnehmen – Handeln. Ich bin froh, dass viele Menschen das schon lange zu ihrem eigenen Motto gemacht haben – und es ihnen ziemlich egal ist, wenn sie dafür schräg angeguckt werden.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 03.03.14
Eine Bereicherung
De van Nguyen
Eine Bereicherung

„Warum sind bei euch in Deutschland die Behinderten eigentlich immer auf einen Haufen untergebracht?“ Mein Schwager Sergio aus Frankreich hat mich zum ersten Mal in Rotenburg besucht und wir hatten einen Spaziergang durch die Werke gemacht. Die üblichen Verdächtigen sind uns dabei entgegengekommen. All die Menschen aus den Werken, denen ich tagtäglich auf der Straße begegne. Sergios Mutter ist mit ihren Eltern in den 1940er Jahren vor den Nazis nach Frankreich geflohen und eine Spur Misstrauen gegenüber Deutschland hat sich in der Familie gehalten. Ich konnte ihm auf seine Frage nicht antworten. Mir ist das immer recht selbstverständlich vorgekommen.

Im Zuge der Inklusion sollen nun nach und nach Wohngruppen aus den Werken in die umliegenden Orte umziehen. Ich weiß zu wenig von den Überlegungen, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Aber aus ganz egoistischen Gründen finde ich das schade. Ich fühle mich wohl am Rande der Werke zu wohnen. Maria mit ihrer Gitarre, Florian mit seinen Sorgen, Christian mit seiner etwas vorlauten Art und all die anderen, die nett grüßen und immer bereit für einen Schnack sind – es mag gute Gründe für eine Dezentralisierung geben, aber das, was mein Schwager kritisch beäugt hat, macht für mich ein großes Stück Lebensqualität in dieser Stadt aus. Es ist hier ein Stück entspannter als anderswo und ich bin mir sicher, das verdankt Rotenburg auch den Werken und ihren Bewohnern.

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. Diesen Rat gibt der Prophet Jeremia. Ich muss da gar nicht lange suchen, sondern nur aus dem Fenster schauen oder die Lindenstraße entlanggehen.

Liebe Maria, lieber Florian, lieber Christian und wie ihr alle heißt: vielen Dank, dass ihr mein Leben bereichert.

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De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 5560
Mo. 17.02.14
Kein Beinbruch
De van Nguyen
Kein Beinbruch

„Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfung machen muss." Diesen Satz hat meine Mutter vor vielen Jahren in einer Radioandacht gehört und seitdem bei vielen Gelegenheiten zitiert. Für mich hat dieser Satz erst eine Bedeutung nach meinem Examen bekommen. Keine Prüfungen mehr machen zu müssen. Was für eine unglaubliche Erleichterung. Keine Prüfungen mehr. Frei!

Die Zeugnisferien sind zu Ende. Ob die Zeit nötig war um erst mal durchzuatmen oder sich von einem Schrecken zu erholen, muss jeder Schüler selbst entscheiden. Jetzt geht es wieder los und „nach den Zeugnissen ist vor den Zeugnissen". Ein Hamsterrad - und die Entwicklungen in der Bildungspolitik verstärken dies nur. Früher blieb man mal sitzen. Das war doof, aber kein Beinbruch. Heute ist das mit viel mehr Zukunftsangst verbunden. Die Leistungsschrauben sind fest angezogen in unserem Schulsystem und wer nicht mitkommt ist ein Versager. Ich habe großes Mitleid mit den heutigen Schülern.

Das schönste am Alter ist, dass man keine Prüfungen mehr machen muss. Bis dahin ist dieser Satz kein Trost. Das schönste an Luthers Lehre ist, dass ich vor Gott nicht in eine Prüfungssituation komme und Angst vorm Durchfallen haben muss. Das ist mir jetzt schon Trost und nicht erst später.

Liebe Schüler, es gibt Schlimmeres als eine Fünf - vielleicht ist das jetzt schon ein Trost.

Meinen Großeltern wurde jedenfalls an jedem Zeugnistag schon aus dem Flur zugerufen: „Ist es nicht schön, dass wir alle gesund sind!"

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De van Nguyen

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van Nguyen
Pastor i. R.
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Mo. 20.01.14
Bildung ist die einzige Lösung
Bildung ist die einzige Lösung

An einem Vormittag in der Woche mache ich ein offenes Angebot für die Kinder und Jugendlichen in der Schule der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ich nehme meine Gitarre mit und mit den älteren Jugendlichen singe ich (vorwiegend christliche Lieder). Vor einiger Zeit kam ein Jugendlicher dazu, der Joshua hieß. Ich fragte ihn, ob er denn wisse, woher der Name kommt. Er wusste es nicht und sagte, es interessierte ihn auch nicht. Er meinte, er wäre Atheist. Ich habe ihm gesagt: ich fände, es hat weniger etwas mit dem Glauben, als vielmehr mit Allgemeinbildung zu tun. So wie ich eigentlich Schneewittchen und Rumpelstilzchen kennen müsste, so gehören auch Mose und Josua und Abraham zum Grundwissen hier bei uns, denke ich.

Szenenwechsel. Im Swat-Tal in Pakistan geht ein Mädchen mit Begeisterung zur Schule und saugt alles Wissen auf wie ein Schwamm. Am 9. Oktober 2012 wird sie auf dem Schulweg von Talibankämpfern angeschossen. Angeblich widerspricht es dem Islam, dass Mädchen zur Schule gehen. Bildung überhaupt ist eine Bedrohung für die Taliban, sie sprengen unzählige Schulen in die Luft und lassen Fernseher und Computer verbrennen.

Malala, so heißt das Mädchen, ist gläubige Muslimin. Sie liest im Koran, dass jeder Mensch verpflichtet ist, zu lernen. Malala überlebt und setzt sich weiterhin ein für das Recht auf Bildung für alle, besonders aber für Mädchen. Sie gründet eine Stiftung dafür und sie hält eine Rede vor der UN. Ihr Wissen schützt sie vor den falschen Informationen und Manipulationen der Taliban.

Zurück zu uns hier. Wir haben das Recht und die Pflicht, zu lernen und etwas für unsere Bildung zu tun. Seit Luther können wir die Bibel selbst auf Deutsch lesen. Joshua kann sich informieren, was es mit dem Josua auf sich hat, dem Nachfolger von Mose.

Glaube hat auch etwas mit Bildung zu tun. Erst wenn ich die Geschichten der Bibel kenne, kann ich mich dazu verhalten. Es gibt so viel Spannendes, Tröstliches und Aufrüttelndes darin, das es zu entdecken gilt und das uns zu Mitmenschen bilden kann in unserer einen Welt.

Mo. 30.12.13
Ich sehe was, was...
Ich sehe was, was...

Sie kennen es sicherlich auch, dieses alte Kinderspiel: "Ich sehe was, was du nicht siehst..." In unterschiedlicher Zusammensetzung kann man es fast jederzeit und überall spielen. "Ich sehe was, was du nicht siehst. Und das ist grün!" "Das Moos neben dem Baumstamm? Das Auto dort unten? Die Jacke der Frau da vorne?"

"Ich sehe was, was du nicht siehst." Was sehen Sie, wenn Sie auf das neue Jahr 2014 blicken? Ein freudiges Ereignis? Einen bereits jetzt schon gut gefüllten Terminkalender? Einen Stellenwechsel? Ein Jubiläum?

Vielleicht sorgen Sie sich auch um das, was Sie sehen könnten: Wird mein Freund die erneute Krebserkrankung überleben? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wird meine Kraft reichen für die vielleicht noch unsichtbaren Herausforderungen, die das neue Jahr mit sich bringt?

So klar und deutlich wie bei dem Kinderspiel können wir das, was uns in 2014 erwartet, vermutlich nicht sehen. Aber schon jetzt - kurz vor Beginn des neuen Jahres - gilt für alles, was wir erleben und erfahren werden: Gott will uns dabei begleiten. Unabhängig davon, ob das, was wir (nicht) sehen, blau oder gelb ist, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns in allem und trotz allem nahe ist.

Ob Maria auch schon 'Ich sehe was, was du nicht siehst ' gespielt hat, weiß ich nicht, aber was wir an ihr erkennen können, hat Johannes Kuhn so beschrieben:

"Wie Maria – sich nicht verschließen, nicht nach Erklärung fragen, Vertrauen haben.

Wie Maria – ein weites Herz haben, Gott einlassen und sich nicht fürchten vor dem,

was kommt."

Diese Zuversicht wünsche ich Ihnen und mir für 2014!

Mo. 16.12.13
466/64
466/64

Das war 18 Jahre lang Nelson Mandelas Häftlingsnummer als Gefangener auf Robben Island. „Ein Mensch – eine Stimme!“ Mandela stand 1964 kurz davor, für dieses Recht, das keinem Menschen vorenthalten werden darf, auch mit Waffengewalt zu kämpfen. Da wurde er gefangen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Statt einer menschlichen Stimme galt er für Jahrzehnte dem Regime nicht mehr als eine Nummer. Dass der Mensch etwas anderes ist als eine Zahl, jede und jeder ein Wunder, das wurde im Gefängnis die Mission seines Lebens. "Es brauchte einen Mann wie Madiba, um nicht nur den Gefangenen zu befreien, sondern auch den Gefängniswärter", sagte jetzt Präsident Barak Obama über Mandela. Denn in autoritären Verhältnissen haben auch Gefängniswärter keine Stimme, sind austauschbar, Werkzeuge, Nummern.

Es soll einmal einen afrikanischen Stamm gegeben haben, der ein Stammesmitglied, das etwas Verletzendes und Schlimmes getan hat, in die Mitte genommen hat. Und dann haben alle zwei Tage lang ihm alles Gute erzählt, das er je getan hat. Sie haben nichts ausgelassen und jedes Mal mit Erstaunen entdeckt, wie viel da doch ist. Jeder Mensch sehnt sich nach Sicherheit, Liebe und Frieden. Das Böse, das er tut, ist wie ein Hilferuf. Indem sie das Gute erzählen, verbindet er sich neu mit den guten Seiten seines Wesens, erinnert sich, wozu er wirklich bestimmt ist.

Vielleicht hatte Mandela in diesem Stamm seine Wurzeln. Unvergessen, wie freundlich und offen er jedem Menschen begegnet ist, auch denen, die ihm so Schlimmes angetan haben. „Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?“ Aber Madiba setzt fort: „Wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.“ Vielleicht war Mandela aber auch einfach nur um so vieles konsequenter als wir auf der Spur von Weihnachten: Menschen sind Kinder von Gott, und sie sollen im Frieden leben. Dazu hat Gott uns geschaffen. Niemand ist nur eine Zahl. Darum können auch wir uns mehr zutrauen. Das Erbe des so vertrauensvollen, mutigen, liebenden Mandela, der so lange 466/64 war, ermutigt uns dazu.

Mo. 02.12.13
Ein Kind verändert das Leben
Ein Kind verändert das Leben

Ein Kind kommt – und verändert das Leben.

Es verändert den Tagesablauf und den Nachtschlaf der Eltern. Seine Bedürfnisse bestimmen den Alltag.

Es verändert die Blickrichtung der Eltern. Es zeigt ihnen, was wichtig ist im Leben: Liebe, Fürsorge, Nähe.

Die Eltern haben ein Wunder erlebt, das Wunder der Geburt.

Es zeigt, dass das Leben ein Geschenk ist – und nicht selbstverständlich.

Manches Paar hat gespürt, dass hier Gott selbst am Werk ist.

Ein Kind, ein neues Leben kommt in unser Leben – und wir entdecken erstaunt, wie viel Liebe in uns steckt, die wir weitergeben können.

Advent – ein Kind kommt und verändert das Leben.

Es verändert das Leben von Maria und Josef, seinen Eltern. Haben sie damals etwas anderes gefühlt als die Eltern heute?

Wahrscheinlich nicht.

Dieses Kind kommt und verändert das Leben von uns Menschen. Denn als der erwartete Messias und Erlöser kommt es anders als erwartet. Als Kind einfacher Leute in einem Stall geboren und nicht als Prinz in einem Schloss.

Und damit zeigt sich schon, was der erwachsene Jesus predigen und leben wird.

Er wird die Welt auf den Kopf stellen und das Leben verändern.

Den Erwachsenen stellt er die Kinder als Vorbilder im Glauben hin.

Den ganz Gesetzessturen sagt er, dass der Mensch wichtiger ist als die Vorschriften.

Die Rachsüchtigen ermahnt er: Vergebt und geht auf den Nächsten zu.

Den Richtenden sagt er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Advent – ein Kind kommt und verändert die Welt – damals wie heute.

Mo. 02.12.13
Sanije G.
Werner Hagedorn
Sanije G.

Bewundernd steht Sanije G. (Name geändert) vor dem dreitürigen Kleiderschrank. „Was kostet der?“ Frau G. aus Albanien kann nicht lesen und nicht schreiben. Die Bedeutung der Ziffern auf den Preisschildern bleibt ihr verborgen. Wie hat sie unsere Sprache so gut gelernt, ohne lesen zu können? „Zweihundertachtzig Euro“, sage ich. Frau G. wendet sich bedauernd ab. „Zu teuer!“ Sie lebt noch nicht lange mit ihren vier Kindern in Rotenburg. Sie erhält keine Mittel für eine Erstausstattung ihrer Wohnung. Mitgebracht hat sie ein paar Küchenunterschränke und ein Bett. Ihr fehlen eine Arbeitsplatte für die Küche, Kleiderschränke, ein Doppelstockbett für die beiden Jüngsten und zwei Betten für die andern beiden Kinder. Wir haben schon im Sozialkaufhaus nachgefragt. Betten sind derzeit nicht im Angebot, Schränke für achtzig Euro sollen demnächst geliefert werden. Ich habe im Gottesdienst um Sachspenden gebeten und ein Bett versprochen bekommen. Wie ich es drehe und wende, ohne weitere Sachspenden wären einige hundert Euro nötig.

Ich stelle mir eine junge Frau vor, die nicht unter Armut leidet und mit Begeisterung und Vorfreude Möbel aussuchen geht, weil sie für ihr Heim und die Kinder das Beste will. Wie gern würde ich das Sanije G. gönnen. Sie kümmert sich mit aller Ernsthaftigkeit und allen ihren Möglichkeiten um die Kinder. Weil ich mich ein Stück weit auf ihre Probleme eingelassen habe, setzt sie ihre Hoffnung auf mich, sieht ihre Wohnung schon eingerichtet und sagt: „Und dann lade ich Sie und Ihre Frau zum Kaffee ein!“ „Erstmal sehen, wie weit wir kommen“, antworte ich.

Wie kann es sein, dass Gesellschaft und Politik eine Mutter und ihre vier Kinder so alleine lassen? Anstatt das Potenzial dieser Menschen aufzugreifen und zu fördern, überantworten wir sie einem verzweifelten Überlebenskampf, in dem ihnen einfachste Dinge des alltäglichen Lebens nicht zur Verfügung stehen! Immer wieder stoße ich auf Formen des Schlechtredens solcher Menschen: Sie seien faul. Sie richten sich nicht nach unsern Regeln. Sie nützen uns aus. Sie bedrohen uns. Damit schließt sich um sie eine Mauer, die ihnen keinen Ausweg lässt. Am selben Tag, an dem ich mit Sanije G. Preise erkunden ging, lese ich in der Zeitung einen Artikel über „Armut trotz Jobwunder“ in Deutschland. Und dass Papst Franziskus in einem apostolischen Brief Christinnen und Christen zum Kampf gegen Armut aufruft.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
27356
Rotenburg
Mo. 24.11.14
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt…
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Irgendwas geht immer schief bei den Festvorbereitungen.

"Weihnachten und andere Katastrophen" heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Igendetwas geht immer schief bei den Festevorbereitungen.

So wie der Weihnachtsbaum, der, am Vorabend geschmückt, mit all seiner Pracht am nächsten Morgen bei uns im Wohnzimmer lag und den ganzen Heiligabendzeitplan durcheinanderbrachte.

Und warum wieder ausgerechnet am Heiligabend mit dem Kind zum ärztlichen Wochenenddienst?

Alle Planungen scheinen nichts zu nützen, um das Fest gelingen zu lassen.

Wird dieses Jahr Weihnachten wieder was passieren? Zuhause? Oder etwas ganz Furchtbares, wie die Flutwelle vor einigen Jahren in Asien oder das Erdbeben im Iran. Warum immer zu Weihnachten.

Da ist doch der Wunsch, dass alles gut sein möge, die Sehnsucht nach ein bisschen heiler Welt - wenigstens an Weihnachten. Bin ich behütet? Kann ich sicher sein? Habe ich Menschen, die sich um  mich kümmern? Wenigstens an Weihnachten - und der Erwartungsdruck ist dann stark, dass alle sich vertragen und guter Stimmung sind. Diese Erwartungen an das Fest!

Was tun mit seinen Erwartungen ? Wer erwartet, der hofft.

„Alle Jahre wieder…“ als ob wir jedes Jahr von vorne anfangen mit dem Hoffen. Als ob wir jedes Jahr wieder bei Null beginnen müssen. “Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus.“ Gott selbst gibt die Hoffnung nicht auf. Und fängt von vorne an. Mit uns – nicht mit seinem Segen. Und auch nicht jedes Jahr, sondern ein für alle Mal. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus, in dem sich Gott hier auf der Erde zeigt. So sagt Gott „ja“ zu uns, ein für alle Mal.

Wir haben Gottes ganzen Segen. Es mag noch manches passieren an kleinen und großen Katastrophen, aber seinen Segen haben wir – auch dann.

Gott verspricht nicht, dass das Essen nicht anbrennt und der Tannenbaum gerade stehen bleibt, und dass alle sich in der Familie vertragen. Vielmehr sagt er: obwohl das alles passieren kann, gehörst du zu mir. Verlass dich drauf. Auch wenn schlimme Dinge passieren können, ich habe meinen ganzen Segen über dir ausgebreitet, über der ganzen Menschheit. Alle Liebe, die ich habe, habe ich gegeben in Jesus, sagt Gott. Ein für alle Mal. Und das kannst du feiern, wenn du das Kind in der Krippe feierst.

Pastor Henning Sievers

Pastor der Michaelskirche

Mo. 18.11.13
Menschenskind!
Werner Hagedorn
Menschenskind!

Kennen Sie den Ausdruck „Tag des Menschenkinds“? Nicht? Fangen wir mit Tagen an, die uns wohl nicht alle geläufig sind, deren Anliegen uns aber sofort einleuchtet. Ich meine die Gedenk- und Aktionstage, an denen weltweit auf Themen hingewiesen wird, die für unser Zusammenleben und Überleben wichtig sind. Allein in der zweiten Novemberhälfte finden wir den „Tag für Toleranz“ (16. November), den „Internationalen Männertag“ (19.), den „Tag der Rechte des Kindes“ (20.), den „Tag gegen Gewalt an Frauen“ (25.), den „Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ (29.).

Niederschmetternd der Einwand: Das kann ich ja alles zur Kenntnis nehmen; aber ich kann nichts tun, um Toleranz in verbohrte Köpfe zu trichtern, um Männern weltweit ihr Gewaltgebaren abzugewöhnen, um das Rekrutieren von Kindersoldaten zu verhindern, um Frauen vor Übergriffen und Bevormundung zu schützen, um die Rechte des palästinensischen Volkes durchzusetzen! Der Einwand übersieht, wie sehr es auf unsere innere Einstellung ankommt. An ihr haben wir zu arbeiten. Dazu müssen wir uns Informationen und Maßstäbe für unser Urteil aneignen. Nach außen wirksam werden wir schon dadurch, wie wir mit anderen sprechen. „Die Schläge haben uns ja nicht geschadet“ - diese Behauptung zu hinterfragen wäre ein Beitrag zum Tag der Rechte des Kindes. Was wir denken, ist weder unwichtig noch unwirksam. „Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.“ Millionen DDR-Bürgerinnen und -Bürger sehnten sich nach Freiheit, hegten diesen Gedanken, zweifelten ob sie je etwas bewirken könnten, übten lauten und leisen Widerstand solange, bis am 9. November 1989 die Mauer fiel. Da hatten sich die Verhältnisse im ganzen Land in einem einzigen Augenblick total verändert.

Die Gedenk- und Aktionstage weisen uns auf Verhältnisse hin, die des Menschen unwürdig sind. „Menschenskind!“ sagen wir zu jemandem, der sich gefälligst auf das besinnen soll, was seinem wahren Interesse entspricht. Tag des Menschenkinds: der Mensch unterlässt den Krieg, Männer achten die Würde der Frau, Eltern ist es undenkbar, ihr Kind zu schlagen. Jesus nannte sich „Menschensohn“. Er sagte, „sein Tag“ würde plötzlich kommen und die Verhältnisse auf der Erde in einem Augenblick total verändern. Dazu aber braucht es die Veränderung in den Gedanken und den Einstellungen Vieler.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
27356
Rotenburg
Mi. 06.11.13
Monatsspruch November 2013: „Siehe, das…
aej - Arbeitsgemeins…
Monatsspruch November 2013: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Lukas 17, 21

Monatsspruch November 2013: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Lukas 17, 21 (L)

Da berühren sich Himmel und Erde
 

Andacht

„Wir brauchen über Inklusion heute Abend nicht mehr zu reden. Ich habe sie erlebt!“ Eine Ministerin braucht nicht mehr zu erklären, will nicht appellieren mit Worten, sondern weist auf eine Wirklichkeit hin, die sie erlebt hat. „Da sieht man den Rollstuhl nicht mehr! Unterschiedlichkeiten sind wie weggewischt.“

Sie hatte eine Theateraufführung der besonderen Art erlebt. Kein professionelles Ensemble war aufgetreten, sondern Amateure, die zehn Tage miteinander gelebt und gearbeitet hatten: Zwanzig Jugendliche aus vier Ländern, einige mit, andere ohne definierte Behinderung, hatten unter fachkundiger Leitung ein Theaterstück entwickelt. Ihr Spiel war so intensiv, dass eine Betrachterin oder ein Betrachter wie die Ministerin nur noch den Ausdruck, das hinter dem Sichtbaren Wirkende, erkannte. Das, was im Alltag zählte, trat in den Hintergrund, das Eigentliche wurde sichtbar. Man ahnte: In dieser Stunde war das Leben aller Jugendlichen heil. Alles, was den Alltag belastet, war weg. Mitten im Leben für eine Stunde der Himmel.

Es gibt ihn: den Himmel auf Erden. Zugegeben, er ist nicht da, dass man sagen kann: komm her und sieh! Ich für mich sage es immer erst hinterher: Da war der Himmel auf Erden: für einen Moment, für eine gewisse Zeit. Da war der Himmel auf Erden, nur an einem bestimmten, unter Umständen ganz kleinen Ort. Mitten in den Alltag hinein kommt der Himmel: nicht erwartet, nicht gemacht. Einfach nur geschenkt. Für manche, für zwei, für mich. Jede und jeder kann von solchen Erlebnissen erzählen.

Solche Erfahrungen könnte Jesus gemeint haben, als er einmal auf die Frage von Pharisäern „Wann kommt das Reich Gottes?“ antwortete: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ An anderer Stelle verweist er auf das, was die Menschen mit ihm erlebten: Blinde sehen, Lahme gehen, Menschen mit Aussatz werden rein, Taube hören, Tote werden zum Leben erweckt, Armen wird die gute Nachricht verkündet (Lukas 7, 22). Das Reich Gottes ist mitten unter uns? Ja damals, aber heute?

Ich finde, dies ist ein gewichtiger Einwand. Denn die Bibel und unser Glaube kennen viele Bilder vom Reich Gottes. Und da müssen wir feststellen: Das Reich Gottes in seiner Fülle ist jenseitig und zukünftig. Besonders deutlich ist das bei Jesaja im 11. Kapitel beschrieben: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand strecken in die Höhle der Natter.“ Was mich fasziniert: Das Prinzip von Fressen und Gefressen werden gilt nicht mehr. Damit fällt die Sorge um die Existenzsicherung weg. Man darf: einfach nur leben in Frieden und Zufriedenheit. Was für eine Aussicht!

Alles nur Vertröstung, höre ich Kritikerinnen und Kritiker des Glaubens rufen! Opium des Volkes, wie Karl Marx einmal sagte. Sie hätten Recht, wenn da nicht die anderen Bilder aus dem Neuen Testament wären. Wie kann das Reich Gottes heute unter uns gegenwärtig werden? Indem wir uns ins Gebet versenken, Jesus in unser Herz nehmen, aussteigen für eine gewisse Zeit aus der uns umgebenden Welt? Oder sollten wir es einmal mit den Seligpreisungen versuchen? Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir Menschen sanftmütig wären, uns nach Gerechtigkeit verzehrten, barmherzig und ohne Falsch und Berechnung wären, wenn wir Frieden mit uns und anderen machten? Wenn wir uns das vorstellen, sind wir keine Traumtänzer oder Phantasten, sondern wir gewinnen eine Orientierung für unser Verhalten und Handeln in dieser Welt. Immer wieder neu es versuchen, als Mensch im Sinne der Seligpreisungen zu leben. So ist dann selbst das Bild des Jesaja Orientierung: Ich muss als Mensch Lebendiges töten, um mich zu ernähren. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ * Diese Erkenntnis verhindert, dass ich weiter gedanken- und maßlos auf Kosten anderen Lebens lebe, wie wir es meistens tun. Da hilft uns die Orientierung an der Achtsamkeit für die anderen viel weiter.

„Das Reich Gottes ist mitten unter uns“. Ja, immer wieder mal, an immer anderen Orten, wenn es Menschen gelingt, Gott den Herrn ihres Lebens sein zu lassen. Trotzdem hoffen wir auf die Vollendung des Reiches Gottes jenseits unserer Welt und unserer Zeit, aber – und das sollte uns als Christinnen und Christen immer bestimmen – wir dürfen jetzt schon aus der Fülle des Lebens, wie Gott es sich vorstellt, leben, auf dass die Welt immer wieder ein Stück vom Himmel sieht.

* Diese Worte werden Albert Schweitzer zugeschrieben.

Andacht November 2013 - Udo Bußmann, Landessjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Westfalen -

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2013 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2013" sind möglich bei der
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Preis pro Exemplar: € 10

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aej - Arbeitsgemeinschaft Ev. Jugend

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Mo. 28.10.13
Was ist angemessen?
Was ist angemessen?

„Sind wir jetzt Millionäre?“ Das hat das Kind eines früheren Superintendenten gefragt, als die Familie in das Haus in der Goethestraße einzog. Das erste Pfarrhaus der Stadtkirchengemeinde in Rotenburg hat mehr als 220 qm Wohnfläche, dazu einen wunderbaren Garten nach hinten in die Wiesen, erbaut 1828. Vor Jahrzehnten, als das Kind sich wie ein Millionär fühlte, lebten acht Menschen in diesem Haus. Heute sind da meine Frau und ich und vorne zwei Büros.

Oft denken wir über das Privileg nach, in einem solchen Pfarrhaus zu wohnen. Wie wohnen andere? Was bedeutet das, ein Pastor zu sein, der das Evangelium weitersagen soll, und so zu wohnen? Wir sind sehr dankbar, so unbeschwert leben zu dürfen – für eine Zeit. Aber geht das eigentlich? Es ist nachvollziehbar, warum es vor Jahrzehnten einmal so gebaut wurde: eine große Pfarrfamilie, eine kleine Landstelle, immer viele Menschen an einem großen Tisch. Und das Kind des Vorgängers mit fünf Geschwistern war von heute aus betrachtet ganz bestimmt kein reiches Kind. Aber jetzt?

Es ist gut, dass sich viele aufregen über das, was in Limburg geschieht – ich tue es auch. Das zeigt, dass wir genau wissen, dass das Christentum in seinem Kern Evangelium für die Armen ist. Und dazu passt solche Verschwendung nicht. Schlimm und unpassend.

Aber was passt? Wenn wir uns nicht einfach nur gern mal wieder ärgern, wenn es nicht darum geht, in unserer Mediengesellschaft möglichst viele Talkshows mit solchem Ärger zu füllen, dann kommt die Frage zurück, jedenfalls zu denen, die nicht arm sind: Was ist angemessen?

Die Bibel nennt, wie ich sie verstehe, keine Zahl und beschreibt keine Grenze. Selig werden die Armen genannt. Und alle anderen sind aufgefordert das, was sie haben, zu gebrauchen und zu teilen. „Privat“ heißt im Wortsinn „getrennt“, also dem Austausch entzogen, verborgen, nicht gebraucht, nur besessen. Angemessen ist das, was in Benutzung ist für das Leben, für seine Schönheit, für unsere Gemeinschaft. Das ist oft viel weniger, als wir besitzen. Die meisten, auch wir, könnten noch mehr teilen. Das erscheint mir als eine angemessene Reaktion auf den Limburger Skandal.

Mo. 28.10.13
Die persönliche Tankstelle
Ole Peyk
Die persönliche Tankstelle

Diese Woche hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Frau, seit Monaten kümmert sie sich um ihre kranke Schwester und begleitet sie täglich zur Reha. Sie arbeitet nicht mehr, damit sie sich voll um ihre Schwester kümmern kann. Ihre Hobbies fotografieren, malen, zeichnen lässt sie links liegen. – „Ich muss mich um meine Schwester kümmern! Ich habe keine Zeit und eigentlich keine Lust dazu.“ Und weiter: „Es ist doch total gut, wenn man sich jemand anderem total hingibt!“ Meine Frage ist dazu: wie viel von einem selbst bleibt noch übrig, wenn man sich so hingibt? Wie lange kann ein Mensch es aushalten nur zu geben? Es wird oft ein Vers aus der Bibel zitiert: „Liebe deinen Nächsten...“ doch der zweite Teil wird vergessen: ... wie dich selbst!“ Sich selbst lieben, heißt für mich auch, sich um sich selbst zu kümmern, sich Zeit für sich zu nehmen und dadurch wieder freier und stärker auf andere zugehen zu können und sich um andere zu kümmern. – Kraft tanken! – Dies beobachte ich bei anderen und erfahre es immer wieder auch in Gesprächen mit Kollegen oder Freunden. Wer sich selbst vergisst, verliert viel Kraft und vergisst zu leben. Sich mit Freunden treffen, mal ganz alleine sein, mal wieder dem geliebten Hobby nachgehen? Wer sich lange nicht darum gekümmert hat, weiß, wie schwer es ist und sogar Überwindung kostet, sich wieder um sich selbst zu kümmern. Man wundert sich, besonders, wenn man merkt, wie gut es einem tut und fragt sich, wie man es so lange hat schleifen lassen.

Was haben Sie diese Woche nur für sich selbst getan? Wo/Wer/Was war Ihre persönliche Tankstelle diese Woche?

Meine Tankstelle war ein Malkurs – sechs Stunden Zeit in einem Atelier, nur meine Vorstellung vom Bild, das ich malen wollte. Die Staffelei, die Farben, fünf weitere Malerinnen, die Künstlerin, ein Blick auf Feld und Wiesen und auf der anderen Seite ein warmer Kamin mit Sofa davor und ein großes Glas mit Schokokeksen! Die Kraft und die Freude, die ich am Abend spürte, waren ein wunderbares Gefühl.

Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen.

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Ole Peyk

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Mo. 21.10.13
Gott bei Facebook
Jens Ubben
Gott bei Facebook

Verstecken bei Facebook geht nicht mehr, las ich letzte Woche. Nutzer des sozialen Netzwerks, die bisher nicht wollten, dass fremde Nutzer ihr Profil über eine Suchfunktion finden können, konnten das entsprechend einstellen. Damit soll bald Schluss sein. Im Suchfeld kann künftig jedes gewünschte Profil angezeigt werden.

Facebook hält mich auf dem Laufenden, was andere gerade machen, was sie beschäftigt, was sie mögen, wo sie gerade unterwegs sind, bei welcher Veranstaltung ich sie demnächst treffen kann. Da heißt es, gut zu überlegen, was der andere wissen darf. Manche sind da sparsam und wählen sorgfältig aus, von anderen erfahre ich pikante Details.

Beim Blick auf unzählige Profile und Statusmeldungen frage ich mich: Hat Gott wohl einen ähnlichen Überblick über uns Menschen? Psalm 139, ein Lied aus dem Alten Testament der Bibel, verrät mir: Er sieht und hört sogar viel mehr. Nicht nur Facebook-Freunde, nicht nur Facebook-Mitglieder, sondern alle Menschen. Er sieht nicht nur das, was Menschen in ihrer Statusmeldung schreiben, sondern er weiß, was jeder denkt und fühlt.

Erschreckend? Bei Facebook kann ich immerhin noch sorgfältig überlegen, was ich schreibe, wo ich meine Klicks mache und Spuren hinterlasse. Vor Gott ist dagegen nichts geheim. Er sieht alles. Auch meine gehässigen Gedanken, dunkle Geheimnisse. Er durchschaut mich!

Oder nicht doch erleichternd? Das hieße doch umgekehrt: Ich muss Gott nichts vormachen. Ich muss nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Weil er ohnehin alles über mich weiß, kann ich ihm durch Beten meine Probleme anvertrauen. Auch meine schlechten Gedanken und unausgesprochene Dinge meines Lebens. Gott gefällt nicht alles, was er bei mir sieht. Wenn ich andere Menschen oder mich selbst verletze. Wenn mein Leben sich ständig nur um mich dreht. Gott sieht es. Dann darf ich es auch aussprechen. Um Vergebung bitten. Um Hilfe zur Veränderung bitten. Und Gott mag mich trotz allem!

Hätte ich einen „Gefällt-mir-Button“, Gott würde ihn anklicken.

 

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Jens Ubben

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Mo. 21.10.13
Glaube braucht Erlebnisse
Glaube braucht Erlebnisse

Wenn einer dem anderen nicht glauben kann, was er sagt, was dann? „Du kannst mir viel erzählen, ich kann das nicht glauben.“ Es mag viele Gründe für eine solche Aussage geben. Trotzdem verändert es den einen, den anderen verletzt das entgegengebrachte Misstrauen.

'Warum glaubt der mir denn nicht?'

Manchmal würde man gerne einfach etwas glauben ohne das Gesagte anzuzweifeln. Zum Beispiel „Ich liebe dich.“ Sind das nur schnell dahin gesagte Worte, damit der Partner oder die Partnerin zufrieden ist?

Kann man sich im Berufsleben oder im Freundeskreis darauf verlassen, was der/die andere sagt? Kann man den anderen wirklich glauben, dass sie ihren versprochenen Beitrag zu einer gemeinsamen Planung einhalten?

Mit solchen Zweifeln quält man sich und auch die anderen.

In der Bibel gibt es Beispiele dafür, dass man nur erfahren kann, worauf man sich verlassen kann, indem man zusammenbleibt und nicht auseinanderläuft.

Thomas, den man auch den Ungläubigen oder Zweifler nennt, glaubte seinen Freunden nicht, dass Jesus nach seiner Kreuzigung weiterlebt. Er ist nicht tot, er ist auferstanden. Es geht weiter. Thomas entgegnet: „Ihr könnt mir viel erzählen, ich kann das nicht glauben.“

Und was passiert dann? Die Freunde könnten enttäuscht sein, dass Thomas ihnen nicht vertraut. Sie könnten ihn aus ihrer Gruppe ausschließen. Sie könnten ihn unter Druck setzen. „Du bist selber schuld. Wenn du uns nicht vertraust, dann kannst du nicht spüren, dass das wahr ist, was wir sagen.“ Sie könnten auf ihn einreden, bis er nichts mehr sagt. Oder bis er davon läuft. Aber das tun sie gerade nicht. Sie lassen ihn einfach in Ruhe und bleiben mit ihm zusammen, wie vorher auch. Sie versuchen nicht, ihn zu bekehren. Aber sie lassen ihn auch nicht mit seinem Misstrauen allein. Die Bibel erzählt weiter. Eine Woche später begreift es Thomas. Da ist Jesus mitten unter ihnen, auch nach seinem Tod. So wie er es vorher angekündigt hatte. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Wenn Thomas fallen gelassen worden wäre von seinen Freunden, dann hätte er nicht die Möglichkeit bekommen, zu glauben. Dann wäre er mit seinem Misstrauen allein geblieben. So aber konnte er erleben, dass man sich auf seine Mitmenschen verlassen kann.

Mo. 14.10.13
Auf der Flucht
Auf der Flucht

Lampedusa. Vor wenigen Wochen mögen nur wenige Menschen diesen Namen gekannt haben. Seit dem 3. Oktober ist das anders geworden. Vor der italienischen Mittelmeerinsel spielt sich an diesem Tag eines der schlimmsten Katastrophen in Europa ab. Ein Boot mit 500 Flüchtlingen aus Eritrea und Somalia versinkt vor der Küste von Lampedusa im Meer. Nur 155 afrikanische Flüchtlinge können gerettet werden. Mehr als 300 ertrinken, denn schwimmen können sie nicht.

So schrecklich es ist; das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa beschreibt nur die Spitze eines Eisbergs. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe befinden sich weltweit fast 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,4 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Vier von fünf Flüchtlingen, also ca. 80 %, leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen.

Die Menschen flüchten vor dem Hunger, vor Bürgerkriegen, vor der Gewalt und vor einem Leben ohne Hoffnung in ihrem Land. Für eine bessere Zukunft setzen sie alles auf’s Spiel. Und bezahlen diesen Schritt nicht selten mit dem Leben. Wie die Flüchtlinge am 3. Oktober.

Auch die Bibel berichtet immer wieder von Menschen, die zu Flüchtlingen wurden. Das Volk Israel flüchtet vor der Sklaverei in Ägypten, Isaak muss wegen einer Hungersnot sein Land verlassen und Mose flieht vor der Rache des ägyptischen Pharaos. Im Matthäus-Evangelium fliehen die Eltern mit Jesus vor Herodes. Jesus selbst hat die Sorge um die Fremden seinen Jüngern als Aufgabe hinterlassen, als er sagte: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“

Das Unglück hat eine Debatte über die europäische Einwanderungspolitik ausgelöst. Denn Flüchtlinge brauchen einen besseren Schutz, sie benötigen Perspektiven für ein neues Leben und es muss eine gerechtere Verteilung der Aufgaben in Europa erfolgen.

Damit nicht mit dem untergegangenen Flüchtlingsboot auch unsere christlichen Werte langsam im Meer versinken.

Mo. 07.10.13
Erntedank
Erntedank

Morgen ist in den meisten Kirchen Erntedankfest. Sie werden schön geschmückt sein. Große gelbe Kürbisse, Maiskolben, Körbe mit Kartoffeln, Gurken, Tomaten. Wir haben alles im Überfluss, und dafür danken wir Gott.

Tatsächlich gilt das für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt nicht. Sie haben entweder zu wenig zu essen (als Grenze gelten hier laut Welthungerhilfe 1.800 Kilokalorien pro Tag), oder sie können keine ausgewogene Nahrung zu sich nehmen und leiden daher an Mangelerscheinungen.

In Deutschland schaffen wir es ja, dass Milchprodukte aus dem Süden in den Norden gekarrt werden und umgekehrt. Man rechnet uns vor, dass die Transportkosten so günstig sind, dass das eigentlich nichts ausmacht.

Bisweilen werfen wir die Lebensmittel, die wir durchs Land gekarrt haben, dann auch weg – weil wir schlecht geplant haben. Meine Oma hat dazu gesagt: Da waren die Augen mal wieder größer als der Mund.

Und komischer Weise sind wir offenbar nicht in der Lage, Lebensmittel in der ganzen Welt so zu verteilen, dass sich alle Menschen auf der Welt ausgewogen ernähren könnten. Genug Lebensmittel für alle werden auf der Welt zwar produziert – aber das Land, auf dem produziert wird, gehört oft Menschen, die nicht das geringste Interesse an der Welternährung haben. Sie produzieren in Afrika Blumen für die arabischen Emirate und bei uns Mais zur Energiegewinnung. Beides mit der Folge, dass die Lebensmittelpreise steigen und Menschen, die arm sind, sich ihre 1.800 Kilokalorien wenn überhaupt, dann nur noch sehr einseitig kaufen können.

Danken wir also morgen für jede Idee, die daran etwas ändert.

Mo. 07.10.13
Teamwork
Teamwork

Vor einigen Tagen las ich in einer Zeitschrift folgende Geschichte:

"Zum Erntedank besucht der Pfarrer seine Bauern. Voller Stolz zeigt ihm Bauer Hinnerk seinen Hof mit den bestellten Feldern, den üppig gefüllten Scheunen und dem nagelneuen Milchtank. Der Pfarrer ist sichtlich beeindruckt, ermahnt den Bauern aber eindringlich: "Denk daran, wem du das alles zu verdanken hast! Gott hat bei alledem mitgeholfen!" "Das weiß ich", antwortet Hinnerk. "Aber, Herr Pfarrer, Sie hätten mal sehen sollen, wie runtergekommen der Hof war, als Gott ihn noch allein bewirtschaftet hat."

Recht hat er, dieser Bauer, habe ich gedacht. Ernte und Erntedank ist keine einseitige Angelegenheit sondern immer auch Teamwork. Das gilt genau so für die Ernten im Leben. Umgraben, einsäen, pflegen, Früchte einsammeln auch auf dem Acker des Lebens - eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch.

Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt: "Gott hat keine anderen Hände als unsere. Keine anderen Augen, keine anderen Ohren."

Gott braucht uns für not-wendige Veränderungen in dieser Welt, für den klaren Blick in undurchsichtigen Zusammenhängen, für aufmerksames Hören auf das, was im alltäglichen Lärm manchmal übertönt wird.

Auf der anderen Seite brauchen wir das Bewusstsein, dass nicht alles in dieser Welt, in unserem Leben machbar, kalkulierbar und berechenbar ist. Und ebenso benötigen wir das Vertrauen in Gottes tragende Nähe, die uns auch in ertraglosen und unruhigen Zeiten hält.

 

Gutes Gelingen in dieser Zusammenarbeit wünscht Ihnen

Mi. 01.06.16
Losung des Monats Juni
Losung des Monats Juni

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.
Ex 15,2 (E)

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