Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 21.04.13
RegionRotenburg-Andacht_130421-01
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Di. 09.04.13
Die eiserne Lady
Matthias Richter
Die eiserne Lady

Die eiserne Lady ist tot. Am letzten Montag ist die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher im Alter von 87 Jahren gestorben. Davor war sie lange dement, lebte zurückgezogen.

Eigentlich ist das kaum eine Nachricht, die zu großen Gefühlen Anlass gibt. Sie hatte ein langes Leben. Und die großen Zeiten der umstrittenen Dame liegen über 20 Jahre zurück. Für die einen repräsentierte sie die Stärke ihrer Nation. Eine Frau, die anpackt, die endlich mal aufräumt. Für die anderen steht sie für sozialen Kahlschlag und für die Absurdität des Falklandkrieges. Und sie haben nicht ihre Nibelungentreue zum chilenischen Diktator Pinochet vergessen, den sie als aufrechten Kommunistenhasser verehrte.

Jetzt ist sie tot. Eigentlich ein guter Anlass, um noch einmal fair Bilanz zu ziehen. Wären da nicht die Gefühle. Die einen steigern nun ihre Verehrung für eine große Staatsmännin, blenden alles Kritische aus. Sie reduzieren die Lady auf den eindrucksvollen Einsatz ihrer Handtasche und ihre pfiffige Schlagfertigkeit. Die anderen verbrennen öffentlich Porträts von ihr, singen "Ding Dong, die Hex' ist tot!" und schmähen sie posthum als Schlampe.

Natürlich erklärt sich solche fortdauernde Polarisierung mit ihrem Leben, das früher schon nur wenige kalt ließ. Und natürlich wird auch manche Reaktion durch die Medien aufgebläht. Und dennoch beschäftigen mich die Berichte - vielleicht weil ich daran denke, was einmal über mich gesagt wird?

Vielleicht geht es manchen so wie mir, dass sie sich wünschen würden: „Wenn ich einmal soll scheiden, dann erinnert Euch an mich. Seid ruhig ehrlich dabei. Ja, ich habe manches verbockt, habe vieles falsch eingeschätzt. Manchmal war ich kein hilfreicher Zeitgenosse, und es war nicht leicht mit mir. In manchen Sachen war ich aber auch richtig gut. Ein paar Mal war ich wirklich selbstlos. Einige Male konnte man sich ein Vorbild an mir nehmen. Licht und Schatten eben – traut Euch und sprecht über beides. Ich hoffe, dass Euer letztes Urteil nachsichtig ist. Aber wenn das nicht geht, ist es eben auch so. Auf jeden Fall werde ich im Himmel viel über mich selbst lernen – und mit Euch noch viel zu diskutieren haben.“

 

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Matthias Richter

Matthias
Richter
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Do. 04.04.13
Nimm Dir das Leben!
Jutta Wendland-Park
Nimm Dir das Leben!

Nimm Dir das Leben!

 

Nimm dir das Leben, so heißt es in einem Lied von Udo Lindenberg. Darin erzählt er von einer Freundschaft zwischen zwei „Typen“, die sich einst unsterblich fühlten. Und heute?

„Heut’ stehst du mit einem Bein im Grab

die Welt da draußen macht dich fertig

und du sagst, du hast genug“ so heißt es im Text.

 

Vielleicht fühlen Sie sich bei diesen Zeilen angesprochen, weil das Leben es auch gerade nicht gut mit Ihnen meint. Weil Ihnen alles über den Kopf gewachsen ist; Sie müde und kraftlos geworden sind.

Dann sollten Sie hören, wie es in dem Lied weitergeht. Dort heißt es nämlich:

„Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los

greif’s dir mit beiden Händen

mach’s wieder stark und groß.

Nimm dir das Leben

Und gibt’s nie wieder her

Denn wenn man es mal braucht

Dann findet man’s so schwer.“

 

Das sind hoffnungsvolle Worte. Sie fordern auf, das Leben nicht aufzugeben, weil es so kostbar ist. Und so einzigartig.

Genau das ist die Osterbotschaft. Auch sie beginnt mit der Verzweiflung und Mutlosigkeit der Jünger, als Jesus Christus am Kreuz stirbt und alles verloren scheint.

Doch dann, an jenem Ostermorgen, wird deutlich: Das Grab ist leer.

Das Leben hat gesiegt gegen den Augenschein.

Und sie, die Jünger, verspüren plötzlich neue Kraft. Sie nehmen ihr Leben wieder selbst in die Hand und begreifen: Gott will das Leben. Wir haben eine Zukunft!

 

Gott will das Leben. Er ist das Leben. Mit ihm an der Seite kann es gelingen, immer wieder aufzustehen und einen neuen Anfang zu wagen. Mit ihm an der Seite werden wir zu Protestleuten gegen den Tod, wie es ein Theologe formulierte.

 

Deshalb...

Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los

greif’s dir mit beiden Händen

mach’s wieder stark und groß.

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Jutta
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Fr. 29.03.13
Das Kreuz mit dem Kreuz
Jutta Wendland-Park
Das Kreuz mit dem Kreuz

Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen. Mit den Kreuzen, die Menschen zu tragen haben. Seit Tausenden von Jahren, hier und überall auf dieser Erde.

Mitte Dezember letzten Jahres wird eine junge indische Studentin in Neu Dehli von mehreren Männern brutal in einem Bus vergewaltigt und danach blutend am Straßenrand liegen gelassen. Sie stirbt anderthalb Wochen später an den schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Am 10. März diesen Jahres wird ein junger Mann an einer Bushaltestelle am Bahnhof in Kirchweyhe schwer verletzt, als er einen Streit zu schlichten versucht. Auch er stirbt wenige Tage später im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen.

Von manchen dieser Kreuze lesen wir in der Zeitung, erfahren wir aus dem Fernsehen oder wir erleben sie am eigenen Leib. Die meisten Kreuze, die Menschen zu tragen haben, kennen wir nicht. Sie erzählen von Menschen, die den Kampf mit einer tödlichen Krankheit verlieren, von denen, die Opfer von Unfällen, von Gewalt und Terror werden, die verzweifelt, einsam und verbittert sind.

Manchmal sehen wir ein Kreuz am Straßenrand, geschmückt mit Blumen.

Jeder hat sein Kreuz zu tragen, heißt es im Volksmund.

Und doch scheint die Last manchmal sehr ungerecht verteilt zu sein. An diesem Haus geht kein Kreuz vorbei, heißt es dann.

Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen. Und mit diesem einen Kreuz, das uns besonders am Karfreitag vor Augen steht. Gott lässt seinen Sohn sterben, sterben am Kreuz. Sein Sohn geht diesen Weg für uns. Nur schwer nachvollziehbar. Vielen bleibt das Wort vom Kreuz eine Torheit.

Es ist ein Kreuz mit diesem Kreuz. Und das ist gut so.

Es öffnet uns die Augen für alles Leid dieser Welt.

Es erinnert an den, der mit seinem Tod am Kreuz ein Zeichen gesetzt hat für die Versöhnung Gottes mit uns und für Menschlichkeit unter uns. Es ermutigt uns, dafür einzutreten, dass Menschen von Kreuzen befreit werden, wo es möglich ist.

Und es ermutigt uns, Kreuze mit zu tragen, wo sie nicht genommen werden können.

So wird das Kreuz zum Zeichen der Hoffnung.

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Fr. 18.01.13
Andach von Karin Ladwig, Prädikantin im…
Karin Ladwig
Andach von Karin Ladwig, Prädikantin im Kirchenkreis

Ein Glück: freie Wahl

"Es ist ein Glück wählen zu dürfen. Das ist der Besitz: eine Stimme. sie fällt ins Gewicht und beweist, dass ich lebe." Dieses Zitat von Günter Grass kam mir in den Sinn, bei einer Diskussion mit Freunden über die Landtagswahl in Niedersachsen. Es war das Wort "dürfen", was mich sofort angesprochen hat. Es schließt das Wort "müssen" aus, den Zwang. Es ist eine freiwillige Wahl. Doch die Möglichkeit, eine Stimme zu haben, die zählt, die Gewicht hat, verschafft das Gefühl wirksam zu sein. Vielleicht ist es das, was Grass meint, wenn er von einem Lebensbeweis spricht. Ganz wörtlich genommen erscheint mir der Schlusssatz des Zitates überzogen. Es gibt sicher noch andere bedeutsame Beweise, "dass ich lebe". Doch mit meiner lebendigen Stimme teilzunehmen an einer freien Wahl kann das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem demokratischen Staat bestärken. Es bedeutet auch, mit seiner Stimme einzutreten für die christlichen Werte, die unmittelbar verbunden sind mit den freiheitlichen demokratischen Grundsätzen, die im Grundgesetzt verankert sind. Wählen heißt, politisch handeln, Anteil nehmen an der Verantwortung für das Leben in der Gemeinschaft. Für Hannah Arendt, jüdische deutsch-amerikanische Philosophin und politische Theoretikerin war Politik angewandte Nächstenliebe, Liebe zur Welt. Das ist eine wunderbare Utopie. Die eigene lebendige Stimme dafür abzugeben, dass wir uns dieser Utopie annähern erscheint mir absolut lohnenswert. Und: Gott sei Dank, wir haben die freie Wahl.

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Di. 01.01.13
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Matthias Richter
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Mein Autohaus schreibt: „Denken Sie an Ihre Winterreifen!“ Es ist gut, dass ich daran erinnert werde, weil ich solche Termine gerne vor mir herschiebe. Ich weiß natürlich, dass die Reifenart und die Profiltiefe wichtig sind, vielleicht sogar Leben retten. Meines und das der anderen. Und trotzdem bin ich in der Gefahr, in dieser Sache doch etwas leichtsinnig zu sein.

Sieben Millimeter Profil hat ein Reifen ungefähr, wenn er ganz neu ist. Mindestens zwei muss er noch haben, wenn die Polizei kontrolliert. Weniger ist halt gefährlich.

Auf wieviel Profil kann ein Mensch verzichten, ehe es gefährlich wird?

Ich erlebe manchmal die Angst vor dem eigenen Gesicht. Viele geben sich Mühe, gerade nicht aufzufallen und nicht anzuecken. Dann lieber mit der eigenen Überzeugung hinter dem Berg halten. Sonst macht man sich angreifbar. Es stimmt: Wer Gesicht zeigt, setzt sich aus. Viele wollen dann lieber mit Austauschgesichtern und Austauschmeinungen im Trend bleiben. Das nenne ich die Angst vor dem eigenen Gesicht. Und die wächst.

Ich finde das schade. Früher war es meiner Mutter manchmal zu viel, wenn wir uns am Tisch über Politik und Religion die Köpfe heißgeredet haben. „Hört auf, Euch zu streiten“, war ihr Beitrag zur Debatte. Dabei ging es nie um Streiterei oder um zwanghaftes Recht-Haben. Wir haben gerungen um Positionen und Werte. Ich habe manchmal den anderen einen Anstoß geben können und immer selbst daraus gelernt. Ich meine: Wenn Menschen ihr Profil zeigen, kommt eine Partnerschaft, eine Familie, eine Kirche eine Gesellschaft nach vorne. Klar, ein solches Miteinander kann anstrengend sein. Man muss Differenzen aushalten, ohne gleich das Tischtuch zu zerschneiden. Aber anders geht es nicht. Wer sich raushält, verweigert den anderen seine Meinung. Und die Chance, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt. Ich finde es keinen schönen Gedanken, dass meine Reifen mehr Gripp haben könnten als ich selbst.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
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Di. 01.01.13
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Matthias Richter
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Jetzt ist es wieder soweit. In den Geschäften hängen Schilder: Geschlossen wegen Inventur! Da wird recherchiert, gezählt und gerechnet. Und heraus kommt das Ergebnis für das vergangene Jahr. Was ist gut gelaufen und was nicht? Was hat sich gelohnt? Wo sind Restposten, um die man sich noch kümmern muss? Durch die Scheiben sieht man, dass so eine Inventur richtig Arbeit macht. Aber sie ist nötig, damit der Start in das neue Jahr gelingt.

Bei Menschen ist das nicht anders, und deswegen mache ich meine persönliche Lebensjahr-Inventur. Bevor ich den alten Kalender ins Regal stelle, blättere ich ihn nochmal durch. Digital geht das auch, es ist aber nicht so sinnlich.

Über manche Seite freue ich mich. Die Tage an der See waren einfach traumhaft. Das Fest mit Erika und Hartmut hat uns alle sehr bewegt. Manche Termine erinnern mich an längst vergessene Erfolge, auf die ich jetzt noch einmal stolz sein kann. Manche Bewahrung und mancher Engel tauchen wieder auf. Es tut mir gut, das alles noch einmal zu erinnern und die Freude noch einmal zu spüren. Und ich nehme das zum Anlass, neue Auszeiten, neue Feste und Begegnungen zu planen und gleich in den neuen Kalender zu schreiben, bevor er mit Alltagsroutine befüllt wird.

Natürlich gibt es auch andere Seiten. Die Beerdigung von Ingelore hat uns alle mitgenommen und berührt. Ihr Lachen und ihre Worte „Ich weiß ja, wohin ich gehe“, will ich nicht vergessen. Und deswegen schreibe ich ihren Geburtstag auch in den neuen Jahresplaner wieder hinein - auch wenn sie jetzt woanders feiert.

Manche alte Kalenderseite ist kein Ruhmesblatt für mich und erinnert mich an Dinge, die ich falsch eingeschätzt habe, wo ich zu schnell oder zu langsam war. Mindestens einmal habe ich mich auch richtig daneben benommen. Ja, Inventur ist nicht immer schön, aber so habe ich die Chance, in 2013 nicht alle Fehler des alten Jahres zu wiederholen.

Zum Schluss überlege ich dann, welche Namen im alten Kalender zu wenig aufgetaucht sind, mit welchen Menschen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte. Und welche Freunde ganz fehlen. Diese Namen werden meine schönste Aufgabeliste für 2013: Susanne und Kord müssen unbedingt eingeladen werden.

Zum Glück kann und muss ich nicht alles planen. Meine Inventur hilft mir aber, dass meine Jahre echte Lebenszeit werden.

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Matthias Richter

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Fr. 30.11.12
Andacht von Peter Handrich, Pastor in den…
Andacht von Peter Handrich, Pastor in den Rotenburger Werken

Morgen fängt traditionell die zweite große Fastenzeit im Jahr an, die Adventszeit. Das können wir heute nur noch mühsam nachvollziehen, liegen doch schon seit Anfang September die eigentlich für die Advents- und Weihnachtszeit gedachten Leckereien in den Supermärkten: Lebkuchen, Spekulatius, Stollen, Zimtsterne, Panettone und wie sie alle heißen.

Tatsächlich waren die Klöster früher so kreativ, was all diese Leckereien angeht, weil sie in der Adventszeit eben nicht leckere Fleischgerichte auf den Tisch bringen konnten, sondern „nur“ besonders gewürztes vegetarisches Gebäck. Und möglicherweise schien ihnen der Advent als Fastenzeit nicht so ernst zu sein wie die sieben Wochen vor Ostern, für die sie deutlich weniger Kreativität bei der Herstellung neuer Speisen bewiesen. Schließlich ist Weihnachten, die Geburt Jesu, im Gegensatz zu Karfreitag, dem Tod Jesu, ein freudiges Ereignis.

Eigentlich zu blöd, dass es vor Ostern diesen Karfreitag gibt – ginge es vor Ostern nur um die Auferstehung, hätten die Mönche und Nonnen bestimmt auch für die Wochen vor Ostern tolle Sachen erfunden, und wir könnten uns nach der vorösterlichen Fastenzeit wie nach Weihnachten ein zweites Mal im Jahr ums eigene Dünnwerden kümmern.

Den eigentlichen Ereignissen, auf die sich das alles bezieht oder irgendwie auch längst nicht mehr bezieht, schadet das alles nicht. Im Advent bereiten wir uns auf die Geburt des Mannes vor, der Karfreitag umgebracht wurde und Ostern auferstand. Beides, weil sein Interesse den Menschen galt, die herzlich wenig in der Welt zu sagen haben, wie Obstbäuerinnen und Fischern im Gazastreifen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Adventszeit.

 

Do. 27.09.12
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Matthias Richter
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Er saß mit uns im Zugabteil. Die 86 Lebensjahre konnte man ihm nicht ansehen. Mit der Landschaft vor den Fenstern flog auch die Zeit dahin, denn er erzählte spannend. Die Erfahrungen eines aufregenden Lebens strömten aus ihm heraus. Mit 19 war er schon Soldat und sollte Deutschland retten. „Ich hab damals dran geglaubt“, sagt er. Wegen einer Verwechslung musste er 1946 in Sibirien zwei Jahre lang im Bergwerk arbeiten. Aber er kam zurück. Die DDR wurde sein Staat, und er hat es letztlich über Umwege weit gebracht. Eine DDR-Karriere, vom Bäcker zum Funktionär. „Ich hab wieder dran geglaubt, was sie uns erzählt haben“, sagt er, „jedenfalls ziemlich lange.“ Trotzdem konnte er oft seinen Mund nicht halten, wenn die hohen Worte und die bittere Realität nicht zusammenpassten. „Ich kann gar nicht zählen, wie oft „der da oben“ seine Hand über mich gehalten hat, obwohl ich ja an so was gar nicht glaube.“ „Ist ja merkwürdig“, sage ich, „an Hitler haben Sie geglaubt, an die DDR haben Sie geglaubt, aber ausgerechnet an „den da oben“ glauben Sie nicht.“ Er lacht, und ich sehe förmlich, wie es in seinem Kopf rattert. „Ja, das ist merkwürdig, aber ich bin ja noch nicht fertig“, erwidert er. Das hat mir imponiert. Er hat fast neun Jahrzehnte auf dem Buckel und ist noch nicht fertig. Will sich noch entwickeln. Aber eines ist ihm jetzt schon klar: „Es reicht nicht, nur an sich zu glauben, dann säße ich jetzt nicht hier.“

Stralsund, unser Ziel, kam viel zu schnell. Und dennoch habe ich im Urlaub immer wieder an ihn gedacht. Viele Werte haben uns verbunden. Die Sorge über die wachsende Schere von Arm und Reich bewegte uns beide. Und gleichzeitig glaubten wir was ganz anderes. Gott sei Dank sind mir viele seiner Erfahrungen bislang erspart geblieben. Wer weiß, ob ich Christ wäre, wenn mich seine Lebenswege geprägt hätten. Beeindruckt hat mich der alte Herr. Und gleichzeitig war ich froh, dass ich glauben kann, mich manchmal ein Stück getragen weiß, von „dem da oben“. Aber fertig? Das bin ich auch noch nicht.

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Matthias Richter

Matthias
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Fr. 16.11.12
Andacht von Jutta Wendland-Park, Pastorin…
Jutta Wendland-Park
Andacht von Jutta Wendland-Park, Pastorin und Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke

Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Sie ertönen manchmal aus dem Navigationsgerät in meinem Auto. Das „Navi“ ist eine praktische Erfindung. Ich gebe den Ort ein, den ich erreichen möchte und es führt mich zum Ziel. Ab und zu gibt es jedoch Baustellen oder neu gebaute Straßen, die noch nicht digital erfasst sind oder ich habe schlicht nicht aufgepasst. Dann höre ich diesen Satz:

Wenn möglich, bitte wenden!

Um mein Ziel zu erreichen, bleibt mir in diesen Momenten nur eines: Ich muss umkehren. Eine Erkenntnis, die nicht immer so leicht umzusetzen ist.

Was das Navigationsgerät beim Autofahren übernimmt, ist im Leben noch viel schwieriger. Wie erschüttert war ich, als ich die Verhandlung über Anders Bering Breivik verfolgte, der im Sommer 2010 das Massaker in Oslo und auf Utöya anrichtete. Bei seinen Auftritten vor Gericht zeigte er nicht die Spur von Reue. Er war überzeugt, den richtigen Weg mit seinen brutalen Taten eingeschlagen zu haben.

Menschen können sich in ihrer Gedankenwelt verrennen und Dinge tun, die uns unbegreiflich sind. Wer aber sagt mir, dass ich dabei bin, einen falschen Weg einzuschlagen?

Heute ist Buß- und Bettag. Der griechische Begriff für Buße heißt metanoia und meint Umkehr. Dieser Tag ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wo Veränderungen bei uns persönlich und in der Gesellschaft gefordert sind, weil wir uns und anderen Schaden zufügen. Es ist ein Tag, der zur Umkehr aufruft.

In Psalm 119 heißt es: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“. Die Bibel ist sozusagen ein persönliches „Navi“. Darin erfahren wir Orientierung und wir werden ermutigt, einen neuen Anfang zu wagen. Umkehr ist dort immer möglich.

 

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Jutta Wendland-Park

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Mo. 26.11.12
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Mein Autohaus schreibt: „Denken Sie an Ihre Winterreifen!“ Es ist gut, dass ich daran erinnert werde, weil ich solche Termine gerne vor mir herschiebe. Ich weiß natürlich, dass die Reifenart und die Profiltiefe wichtig sind, vielleicht sogar Leben retten. Meines und das der anderen. Und trotzdem bin ich in der Gefahr, in dieser Sache doch etwas leichtsinnig zu sein.

Sieben Millimeter Profil hat ein Reifen ungefähr, wenn er ganz neu ist. Mindestens zwei muss er noch haben, wenn die Polizei kontrolliert. Weniger ist halt gefährlich.

Auf wieviel Profil kann ein Mensch verzichten, ehe es gefährlich wird?

Ich erlebe manchmal die Angst vor dem eigenen Gesicht. Viele geben sich Mühe, gerade nicht aufzufallen und nicht anzuecken. Dann lieber mit der eigenen Überzeugung hinter dem Berg halten. Sonst macht man sich angreifbar. Es stimmt: Wer Gesicht zeigt, setzt sich aus. Viele wollen dann lieber mit Austauschgesichtern und Austauschmeinungen im Trend bleiben. Das nenne ich die Angst vor dem eigenen Gesicht. Und die wächst.

Ich finde das schade. Früher war es meiner Mutter manchmal zu viel, wenn wir uns am Tisch über Politik und Religion die Köpfe heißgeredet haben. „Hört auf, Euch zu streiten“, war ihr Beitrag zur Debatte. Dabei ging es nie um Streiterei oder um zwanghaftes Recht-Haben. Wir haben gerungen um Positionen und Werte. Ich habe manchmal den anderen einen Anstoß geben können und immer selbst daraus gelernt. Ich meine: Wenn Menschen ihr Profil zeigen, kommt eine Partnerschaft, eine Familie, eine Kirche eine Gesellschaft nach vorne. Klar, ein solches Miteinander kann anstrengend sein. Man muss Differenzen aushalten, ohne gleich das Tischtuch zu zerschneiden. Aber anders geht es nicht. Wer sich raushält, verweigert den anderen seine Meinung. Und die Chance, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt. Ich finde es keinen schönen Gedanken, dass meine Reifen mehr Gripp haben könnten als ich selbst.

 

 

 

 

 

 

 

Neulich habe ich in einer Diskussion erlebt, wie jemand einem anderen regelrecht die Ehre abschneidet. Bis unter die Gürtellinie war es nicht mehr weit. Sein Nachbar schreitet ein und wird dann aber von der Mehrheit im Saal zurechtgestaucht: Lassen Sie ihn reden. Das ist halt seine Meinung

 

 

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